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Impfung: Die große Erlösung?

Coronaimpfung. Gibt es genug Aufklärung und welche Rolle spielt die Meinung der Eltern?

Impfen oder nicht impfen? SN/stock-adobe
Impfen oder nicht impfen?

Drei Mal pro Woche testen, feste Sitzplätze, lüften und Masken auf den Gängen: So sehen zurzeit die Coronaregeln in den Schulen aus. Nur für Geimpfte ist kein Testen notwendig. Wenn man jedoch die Impfrate von Jugendlichen betrachtet, kann man erkennen, dass von den Jugendlichen nur etwa ein Drittel geimpft ist. Vor allem die unter 15-Jährigen können kaum eine Impfung vorweisen. Aber warum ist das so?

Andrea Pann-Wintersteiger, Direktorin der Mittelschule in Obertrum, meint, dass das viel mit den Eltern zu tun habe. Oft herrschen Unklarheiten über Neben- und Langzeitwirkungen einer Impfung. Trotzdem sieht es die Direktorin nicht als "ihre Aufgabe", die Jugendlichen und deren Eltern über das Impfen aufzuklären. Zwar stehen auf der Homepage der Mittelschule Informationen des Bildungsministeriums bezüglich der Impfung, doch ansonsten habe bisher keine Impfaufklärung stattgefunden. Auch in Zukunft sei das nicht vorgesehen.

In den Mittelschulen gibt es nur zwei Jahrgänge, die über zwölf Jahre sind und sich somit gegen Corona impfen lassen können. Dabei wird die Entscheidung größtenteils den Eltern überlassen. Oftmals sind die Eltern geimpft, ihre Kinder jedoch nicht. Gründe dafür sind u. a., dass die Jugendlichen ohne Impfung keinerlei Einschränkungen in ihrem Sozialleben haben. In der Schule wird drei Mal pro Woche gemeinsam getestet, diese Schultests genügen als 3-G-Nachweis etwa bei Vereinen.

Deshalb sehen viele die Impfung nicht als notwendig, sondern nur als zusätzlichen Aufwand. Anders ist das bei Jugendlichen über 16 Jahren. "Meine Schwester hat sich impfen lassen, weil sie feiern gehen wollte", erklärt Julia, "ich habe mich dann einfach auch geimpft." Um Einlass in die Disco zu erhalten, muss man entweder eine Impfung oder einen (zeitaufwendigeren) PCR-Test vorweisen. Viele Jugendliche lassen sich auch deshalb gern impfen. Sachpreisverlosungen (z. B. eine Kamera, ein Tablet, Eintrittskarten) würden bei Jugendlichen als Impfanreiz wenig helfen. Mehr Ansporn wäre vermutlich, wenn der Test etwas kosten würde oder man die Impfung benötigte, um an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen zu können. Während Alexandra sich impfen lassen wollte, um "problemlos im Sommer ins Schwimmbad gehen zu können", hört Valerie (geänderter Name) eher auf ihre Eltern: "Ich möchte mich eh impfen lassen, aber meine Eltern wollen das nicht."

Im Schulzentrum in Schärding etwa hat es bereits einen Vortrag zur Impfung gegeben, geführt vom Medizin- und Bio-Informatiker Gerald Lirk. "Ich möchte in dem Rahmen, der mir möglich ist, Aufklärung betreiben", meint Lirk. Nach seinem Vortrag sei es zwar nicht zu einer signifikanten Änderung der Impfwilligkeit gekommen, jedoch habe sich die Mehrheit deutlich besser informiert gefühlt. Gerald Lirk zeigt sich auch den Eltern ungeimpfter Kinder gegenüber verständnisvoll. "Erwachsene, die sich impfen lassen, meinen, dass sie für sich selbst die Impfrisiken in Kauf nehmen. Aber sie wollen bei ihren Kindern nichts riskieren", so der Forscher von der Fachhochschule Hagenberg.

Viele Eltern haben Angst, ihre Kinder impfen zu lassen. Sie haben Bedenken, dass die Impfung nicht sicher und noch nicht gut genug erforscht ist. Kinderarzt Holger Förster sagt im SN-Interview, dies sei jedoch "nicht wahr". In den USA seien mehr Kinder geimpft als es Menschen in Österreich gebe. Der Impfstoff sei sicher. "Angst ist kein guter Ratgeber", betont Förster. Man müsse unterscheiden zwischen Impfreaktion und Nebenwirkung. Impfreaktion sind unter anderem Kopfschmerzen, Fieber, Gelenkschmerzen und Schmerzen an der Einstichstelle. Nebenwirkungen der Impfung seien z. B. Herzmuskelentzündungen. Jedoch betrifft dies nur etwa 60 von einer Million Menschen. Von einer allergischen Reaktion seien sogar noch weniger betroffen.

Ob nun aber geimpft oder ungeimpft, in einem sind wir Jugendlichen uns einig: Wir wollen kein Homeschooling mehr!
Nora Grössenberger, 13


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