Jungeseite

Schülerin Emma reicht es: "Danke, liebe Ungeimpfte!"

Die 17-Jährige fragt sich: Wieso gehen eigentlich nicht die Geimpften auf die Straße?

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Nicht ansatzweise kann ich in Worte fassen, wie erschöpft ich mit meinen lächerlichen 17 Jahren bin, mich mit der ewigen Coronadiskussion auseinanderzusetzen. In meinem Kopf bilden sich Tausende Fragezeichen, wenn ich an die Logik mancher - sogar Autoritätspersonen - denke, die trotz aller wissenschaftlichen Beweise und Milliarden von verimpften Impfdosen nicht an diese lebensrettende Impfung glauben. Ärzte und das Krankenhauspersonal, die Tag für Tag an ihre Grenzen kommen, weil genau diese Menschen im 21. Jahrhundert noch daran glauben, dass die Retter in der Not nicht eigenständig agieren, sondern von Mächten dieser Welt geleitet und beeinflusst werden.

Ungeimpfte Lehrer etwa, die stolz drauf sind, nicht geimpft zu sein, die täglich in Schulen stehen und teils noch Minderjährigen einreden, sich ja nicht impfen zu lassen, um gewisse Vorteile zu genießen. Oder jener Arzt aus meiner Heimatstadt Braunau, der sich freiwillig meldete, in der örtlichen Impfstraße zu arbeiten. Dort schüchterte er seine Patienten ein, riet ihnen von der Impfung ab, fragte junge Damen, ob sie in ihrem Leben noch Kinder haben möchten. Warum arbeitet so jemand in einer Impfstraße?

Auf Social Media sehe ich oft Videos von Menschenmassen, die gemeinsam bei Fußballspielen mitfiebern. Ich frage mich, ob ich das überhaupt noch will, wenn ich wüsste, dass ich von Hunderten ungeimpften Menschen umgeben bin, die wahrscheinlich auch in der Zukunft daran schuld sein werden, dass ich nicht bedenkenlos mitfiebern kann, sondern mit Sicherheitsabstand und Maske im Stadion stehe. Dabei wäre es doch so einfach, es ist doch nur ein kleiner Stich.

Wir sind einfach zu verwöhnt. Wir wissen nicht, wie es früher ohne Impfung war. An einen Tod aufgrund von Grippe, Pocken etc. ist heute gar nicht mehr zu denken. Polio ist nur noch wenigen ein Begriff, aber vor noch nicht allzu langer Zeit war diese Krankheit das Schicksal vieler Familien. Die Aussage: "Was soll mir eine Grippe schon anhaben? Ist doch nur Angstmacherei!", bringt mich auf die Palme. Anstatt einmal darüber nachzudenken, warum einem eine "einfache" Grippe nichts anhaben kann, warum heute niemand mehr an den Pocken stirbt, wird weiter auf das eigene so unbesiegbare Immunsystem geschoben. Dass eigentlich eine Impfung hinter alldem steckt, wollen diese Menschen nicht glauben. Würden sie erst aufgeweckt, wenn Kinderkrankheiten wieder Tausende das Leben kosten?

Kein Medikament ist in den letzten Monaten so akkurat und oft geprüft worden wie der Coronaimpfstoff. Nur weil keine Prüfzeit von zehn Jahren vorliegt, kann dem Impfstoff nicht vertraut werden? Die etwa sieben Milliarden Impfdosen, die bereits verimpft wurden, sind anscheinend nicht aussagekräftig. Wer hinterfragt denn, was in Dingen, die wir tagtäglich konsumieren, steckt, etwa in Alkohol? Auch ein Aspirin hat bestimmt schon jeder einmal eingenommen, ein Medikament, das zahlreiche schlimme Nebenwirkungen hervorrufen kann. Täglich nehme ich, wie Millionen von anderen Frauen auch, die Pille. Mit der beigefügten, beidseitig bedruckten Beschreibung, die mich hauptsächlich über die Nebenwirkungen aufklärt, könnte ich bestimmt den Großteil eines Fernsehers abdecken. Die Frage, ob ich mich davon beeinflussen lasse, stellt sich nicht.

Ach ja, danke, dass auch dieses Jahr die Weihnachtsmärkte wieder geschlossen bleiben müssen, Familien vielleicht nicht zusammenkommen dürfen. Ich könnte permanent vor Ärger an die Decke springen, wenn ich nur daran denke, dass nicht die Geimpften für ihre Freiheit demonstrieren, sondern die Ungeimpften. Jener Teil der Gesellschaft, der die Intensivstationen zum Überlaufen und unser Gesundheitssystem an seine Grenzen bringt und dazu beiträgt, dass ein Ende der Pandemie nicht in Sichtweite ist.

Ich verstehe einfach nicht, wie man so unbedarft sein kann und nicht bemerkt, dass einem das Ticket in die Freiheit auf einem Silbertablett serviert wird. Lieber sieht man zu, wie die Jugend mehr und mehr ihr eigentliches Leben verliert und Kinder- und Jugendpsychiatrien völlig überrannt werden, wie Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, Traditionsunternehmen geschlossen werden müssen und wie das Gesundheitspersonal unter den Umständen der ständigen Überlastung leidet. Also danke, liebe Ungeimpfte, dass ihr vor lauter Egoismus vergessen habt, was Zusammenhalt eigentlich bedeutet. Emma Pay, 17 Jahre

Aufgerufen am 28.01.2022 um 05:31 auf https://www.sn.at/jungeseite/schuelerin-emma-reicht-es-danke-liebe-ungeimpfte-114116728

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