Die Verklärung des Vorderkopfes

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Abreger der Woche Christian Resch

Was war das nur wieder für eine Aufregung, nach der vierhunderteinundsiebzigsten Kanzlerverlautbarung. Erst hieß es: bitte maskieren im Supermarkt. Dann maskieren im Bus. Und jetzt auch noch: maskieren im Wirtshaus. Wobei dann später doch ein asymmetrischer Vermummungszwang daraus wurde, weil: Kellner mit Stoff im Gesicht, Gast ohne.

Die Lebensberatungsredaktion empfiehlt erneut: abregen. Wir Österreicher sollten uns darauf besinnen, dass die Misanthropie als tief imprägnierter Wesenszug perfekt zur neuen Zeit passt. Wollen Sie die grantige Visage des Wiener Kaffeehausobers wirklich sehen? Die tief nach unten gezogenen Mundwinkel der Grantlerin gegenüber in der Bim? Den verächtlichen Gesichtsausdruck der Billa-Kassierin, weil Sie schon zum dritten Mal diese Woche einen Karton Packerlwein kaufen? Eben. Stattdessen empfiehlt sich die Ausdehnung der Gesichtsverklärung auf den häuslichen Bereich, vielleicht noch mit einem aufgemalten Grinsemund auf der Maske. Eheweib und Gatte würden sich nach Jahren wieder anlächeln. Danke, Corona!

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