Muss die Arbeiterkammer Strafen in Millionenhöhe zahlen?

Die Kürzungen der öffentlichen Pensionen wirken wie die Finanzkrise in der privaten Altersvorsorge.

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Barazon Ronald Barazon

Die Sprecher der Arbeiterkammer und allen voran jene der Arbeiterkammer Oberösterreich werden nicht müde, Versicherungen und andere Finanzdienstleister als dubiose Einrichtungen zu verteufeln, die den naiven Konsumenten das Geld aus der Tasche ziehen und keine entsprechenden Leistungen erbringen.

Im Fokus dieser Attacken steht die Lebensversicherung. Aber auch Pensionskassen, Fonds und andere Einrichtungen werden als Feinde der Konsumenten an den Pranger gestellt. Man wird nicht müde, auf die hohen Kosten beim Abschluss der Verträge und auf die Risiken des Kapitalmarkts zu verweisen. Die Finanzkrise 2008, die enormen Kursverluste 2009 und die aktuell niedrigen Zinsen sorgen für handfeste, unwiderlegbare Argumente.

Die Attacken der österreichischen Arbeitnehmervertreter fügen sich in eine EU-weite Kampagne ein, die die Finanzdienstleister an der Ausübung ihres üblen Handwerks hindern soll. Die Peitsche, die den Schergen des Kapitals droht, besteht in drastischen Strafen. Bis zu fünf Millionen Euro riskiert ein Finanzdienstleister, der Informationen erteilt hat, die sich im Nachhinein als falsch erwiesen und zu Verlusten geführt haben.

Was für Proponenten der profitgeilen Finanzwirtschaft recht ist, muss für die tapferen Konsumentenschützer aus öffentlichen Einrichtungen wie der Arbeiterkammer, der Sozialversicherung oder der Bundesregierung billig sein. Haben uns diese Recken des Anstands nicht einst versprochen, Pensionen in der Höhe von 80 Prozent des Letztbezugs zu bezahlen? Oder der fünf besten Jahre?

Und heute? Das Pensionskonto bringt es an den Tag. Gegenüber den bereits durch einige "Reformen" zerzausten Ansprüchen werden jetzt weitere Reduktionen wirksam. Rechnet man die aktuellen Werte in Relation zu den Versprechen vergangener Jahrzehnte, so ergeben sich Verluste, die jeden Börsenkrach als einen warmen Sommerregen erscheinen lassen.

Börsenkurse erholen sich wieder, wie die Entwicklung nach 2008 gezeigt hat, die Höhe der Zinsen schwankt, aber Pensionskürzungen bleiben bestehen. Damit nicht genug: Pensionskürzungen sind stets nur eine Zwischenetappe auf dem Weg zur nächsten Kürzung und auch jetzt wird schon eifrig über eine weitere "Korrektur" nachgedacht.

Trotz dieser Tatsachen werden die Vertreter der Arbeiterkammer nicht müde, die Sozialversicherung zu preisen und fordern sogar auf, freiwillig höhere Beiträge in diese eindeutig verlustträchtige Veranlagungsform zu investieren. Da, so hört man, alle vor dem Gesetz gleich sind, riskieren die "Berater" aus der Arbeiterkammer die gleichen Strafen wie die Finanzdienstleister. Oder doch nicht?

Aufgerufen am 19.11.2018 um 11:43 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/muss-die-arbeiterkammer-strafen-in-millionenhoehe-zahlen-3063673

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