"Free from" steckt nicht in jedem Käse

Bits & Bites

Man könne, sagte neulich ein Experte, der im SN-Saal zu Gast war, mittlerweile Produkte besser verkaufen, wenn man sagt, was nicht drinnen ist. Begonnen hat das meiner Erinnerung nach mit einer Portion Intoleranz. Laktoseintoleranz um genau zu sein. Plötzlich war in vielen Milchprodukten keine Laktose mehr drinnen. Weder in der Butter, noch in Rahm und Joghurt. Sogar auf der Verpackung des Emmentalers stand "laktosefrei". In den hätte man sie sogar extra reingeben müssen. Denn bei der Reifung des Käses wird Milchzucker in Milchsäure umgewandelt. Je reifer der Käse desto laktosefrei - aber das ist beinahe eine andere Geschichte.

Gemäß dem "free from"-Trend verkauft man Putzmittel ohne Mikroplastik oder Deosprays ohne Aluminiumsalze.

Ohne ist in - nicht aber in der digitalen Welt. Da ist immer mehr drinnen an Features und Funktionen. Die derzeit Beliebteste: Alexa. Keine Stereoanlage, kein Lautsprechersystem und kein Fernseher mehr, der etwas auf sich hält, und nicht Alexa mit an Bord hat. Selbst Glühbirnen leuchten heller mit Alexa. Nun frage ich mich, was die Hersteller dazu treibt, den Sprachassistenten des größten Onlinehändlers der westlichen Welt in alle Produkte einzupflanzen. Und Alexa funkt dann nach Hause, wann sie mich in der Früh weckt, wie lange ich brauche um wach zu werden und das Licht einzuschalten, welche Musik ich höre und und und. Das ist Käse, aber ohne Reife. Sonst wäre mehr "free from Alexa".

Aufgerufen am 16.02.2019 um 05:51 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/free-from-steckt-nicht-in-jedem-kaese-65317147

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