Wie die Schublade in die sozialen Netzwerke kam

Geld und Schubladen, das gehört immer schon zusammen. Und jetzt auch im Internet.

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Bits & Bites Thomas Hofbauer
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Wie die Schublade in die Sozialen Netzwerke kam

Die 1980er-Jahre, eine legendäre Sendung mit dem Namen "Tritsch-Tratsch" und ein Spiel mit sechs Laden: Fernsehmoderator Joki Kirschner konnte seine Gäste zur Verzweiflung bringen, wenn er ihnen einen Tausender nach dem anderen vor die Nase hielt. Er wollte, dass sie das Geld nehmen und nicht die von ihnen vorher gewählte Schublade öffnen. In einer der sechs Laden war ein Brillantring im Wert von 70.000 Schilling. Geld, viel Geld.

Das Spiel mit den Schubladen und dem vielen Geld hat auch das soziale Netzwerk Facebook drauf. Vor wenigen Tagen wurde ein Patent aus dem Jahr 2016 veröffentlicht, das beschreibt, wie Facebook seine Nutzer in Schubladen steckt, um ihnen dann noch passendere Werbung anzuzeigen. Das Patent soll es ermöglichen, die Zugehörigkeit von Facebook-Nutzern zu einer von drei sozialen Klassen zu prognostizieren. Nennen wir sie die Armen, den Mittelstand und die Reichen.

Das Patent beschreibt ein System, das aus Daten über Bildung, Wohnverhältnisse, Internetnutzung und dabei verwendete Geräte den sozioökonomischen Status bestimmen kann. Das schlaue dabei, die Daten müssen nicht
von einer spezialisierten Agentur zugekauft werden, sondern Facebook errechnet sie selbst aus dem, was Nutzer gewollt und ungewollt über sich preisgeben.

Das im Patent aufgeführte Beispiel zeigt, wie die Schubladisierung funktioniert. Bei 20- bis 30-Jährigen ist demnach ausschlaggebend, wie viele und welche internetfähigen Geräte sie besitzen, über die sie sich bei Facebook einloggen. Bei den 30- bis 40-Jährigen ist die Frage entscheidend, ob sie Hauseigentümer sind und in welcher Gegend sich das Haus befindet. Denn auch das Umfeld färbt ab.

Wenn Sie sich demnächst in den sozialen Netzwerken verbessern wollen, kaufen Sie sich am besten gleich mehrere neue iPhones mit installiertem Facebook und posten Sie dann wie wild aus den Vierteln der Reichen und Schönen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann man dadurch den Algorithmus austricksen.

Ich selbst bin knapp vor dem Durchbruch. Kürzlich wurde mir sogar eine personalisierte Werbeanzeige angezeigt, auf der ein fast fertiger Airbus A380 in einer Lagerhalle zu sehen war. Bisher ist nur ein Privatverkauf bekannt. Der saudische Prinz Al Waleed bin Talal bestellte einen, musste aber wieder stornieren. Hat der Algorithmus jetzt mich als potenziellen Käufer des Fliegers auf dem Radar? Ein Klick auf die Werbeanzeige von wer-liefert-was.de sollte Gewissheit bringen.

Doch was da angeboten wurde, waren Lagerhallen in jeder beliebigen Größe. Bei der Taktik zum Knacken des Facebook-Algorithmus muss ich wohl noch etwas nachjustieren. Aber wenn ich mich dann im "Ladl" mit den Brillantringen und den Millionen wiederfinde, lasse ich mir den Trick patentieren. Oder wäre es noch lukrativer, mich von Facebook für ein paar Tausender davon abhalten zu lassen, jedes beliebige "Ladl" zu öffnen?

Aufgerufen am 25.05.2018 um 04:45 auf https://www.sn.at/kolumne/bits-und-bites/wie-die-schublade-in-die-sozialen-netzwerke-kam-23945275

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