"Die Bademeister" - Erinnerungen an die Vor-Coronazeit

Neue Serie auf ATV porträtiert "Männer in Weiß" bei ihrem Arbeitsalltag. Das Wasser plätschert, der Schmäh rennt. Was die Vorfreude auf die nächste Badesaison erhöht.

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Durchgeschaut Martin Behr
Schmäh gehört zu seinem Berufsprofil: Johann, der Bademeister im Erlauftaler Freibad. SN/atv
Schmäh gehört zu seinem Berufsprofil: Johann, der Bademeister im Erlauftaler Freibad.

Profunde Schwimmkünste sind nur eine Facette: Der Bademeister von heute sollte über viele Talente verfügen, wie die neue Serie von ATV vermittelt: "Die Bademeister". Erster Schauplatz: das Wiener Gänsehäufel. Mein Gott, diese Menschenansammlungen, dieses Badevergnügen in der Vor-Coronazeit. Ob es je wieder so werden wird? Egal - zwei braungebrannte Herren in Weiß, Erich und Kurt, berichteten über ihre Erfahrungen und werden bei ihrer Arbeit mit der Kamera begleitet: "Man muss immer das Beste hoffen und das Schlimmste befürchten." Die beiden sind echte Typen, sie necken sich, bezeichnen sich als "Grobmotoriker" - keine Frage: ein eingespieltes Team. Das Wasser plätschert, der Schmäh rennt.


Szenenwechsel ins Erlauftalbad in Purgstall. Der 58-jährige Johann ist dort seit 25 Jahre Bademeister. Das Highlight: Eine 58 Meter lange Wasserrutsche, die auch beim beliebten Flutlichtbaden in Betrieb ist. Johann, den hier alle Hans nennen, schupft das Bad quasi im Alleingang: "Wie als würde man in einer Trafik arbeiten. Man muss ein wenig schnell durchgehen und ernst schauen." Hans - um seinen Hals baumelt ein goldenes Kreuz - redet wie aufgezogen, er stellt jungen Mädchen die rhetorische Frage: "Ist der Bademeister brav?" Was er nicht so gern hat? Müll im Poolbereich oder auf den Liegewiesen. Von wegen Badewaschl. Hans ist der unumschränkte Herr und Mastermind des Erlauftalbades. Eine wortgewaltige Institution.

Im Bad am Laaer Berg wiederum sind die Bademeister Stefan und Peter dafür verantwortlich, dass alle Gäste über Wasser bleiben: "Ihr wisst's aber schon, dass da Springen verboten ist!" Die verspiegelte Sonnenbrille von Stefan bringt einen Hauch David Hasselhoff in das Wellenbad - dorthin, wo die Badegäste Buh rufen, wenn die künstliche Wasserdynamik abgedreht wird. Kollege Peter zeigt den Kids, die vom 10-Meter-Brett ins Kühle Nass springen wollen, seine Tattoos. Und auch hier haben Schmähtandlereien der Bademeister Hochsaison: "Alter vor Schönheit", "Keinen Zucker, bin eh schon süß genug", "Security - Sekkier' i di".

Die obligate Zwischentexte bei Doku-Reportagen dieser Art (sie könnten weniger launig und nicht mit einer outrierten Sprachmelodie vorgetragen sein) erläutern und interpretieren das Geschehen, die Kamera macht Lust auf die Badesaison - wann immer sie heuer auch kommen mag. Die Serie "Die Bademeister" müht sich, den gezeigten Charakteren etwas näher zu kommen und genügt sich nicht in der Schilderung von kauzigen Originalen. Solide Unterhaltung ohne Fremdschämen.

Aufgerufen am 05.12.2020 um 06:35 auf https://www.sn.at/kolumne/durchgeschaut/die-bademeister-erinnerungen-an-die-vor-coronazeit-86650126

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