Eh gleich heißt sowieso bloß doch nicht

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Fliehers Journal Bernhard Flieher

Da meint man, dass einen manches nicht erreicht. Sagen wir Ebola. Weit weg, denkt man. Und doch nicht. So kann's einem auch mit Wortdurchfall gehen. Davor hütet sich der halbwegs Bedachte, dass ihm kein entstelltes Wort passiert, dass die Verdummung durch Worte so weit entfernt bleiben möge, dass man immer gegen diese Dummheit zu Felde ziehen kann, ohne je Gefahr zu laufen sich anzustecken. Aber das Dauerfeuer sprachlicher Oberflächlichkeit macht mürbe. Es zeigt Wirkung. Die Einschläge werden mehr und passieren immer näher. Und so sagt dann nicht irgendein Pressesprecher oder eine Phrasenbeauftragte den Satz, sondern ein guter Bekannter: Willst du, sagt er - um Hilfe bei einem Umzug gebeten -, dass wir das zeitnah erledigen? Man stutzt. Zeitnah?! Das kennt man sonst ja nur als Hilfsausdruck, also als hilflose Formulierung der Verschleierung. Als Ablenkungsmanöver. Oder Lüge. Also wird das Wörtchen in der Politik superstrapaziert.

"Zeitnahe Lösungen" wird's geben, hört man und "zeitnahe Anstrengung". Und wenn bei Bus oder Bahn was schief, also zu spät rennt, soll's "zeitnahe Auskünfte" geben. Wär's nur so, es wäre kein Problem, ja der Idealfall. Denn "zeitnah" heißt nichts anders als "jetzt". Wenn von einem "zeitnahen Thema", von "zeitnaher Kunst" geplappert wird (nebenbei bemerkt: ein sprachlich elendes Plappern) geht's ums Jetzt. Zeitnah ist Gegenwart und nicht Zukunft. Zum Beispiel ist die Wiederherstellung der Ordnung im Kinderzimmer ein "zeitnahes Thema". Jahaaa! Ehee! Gleiheich! So hört man's dann zurückschallen und es fällt einem die unzulässige politische Dehnung des Wortes ein - die reicht von "bald" bis "irgendwann". Im Kinderzimmer kommt am Ende aber was anderes heraus als in der Politik. Daheim lässt sich die Ungenauigkeit nämlich zeitnah, sprich: unmittelbar bekämpfen.

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