Kolumne über eine geglückte Kolumne

ich schrieb Erholsames, dachte ich - und es kam eine unentspannte Mail.

Autorenbild
Fliehers Journal Bernhard Flieher

Ob ich weltfremd sei, schrieb Frau S. und überhaupt: "Arrogant ist das!" So etwas habe in Zeiten wie diesen nichts zu suchen in einer seriösen Zeitung, weil es gäbe ganz andere Probleme. In jedem Wort war zu spüren, wie Frau S. bebte im Eifer der Weltrettung. Hunger! Krieg! Flüchtlinge! Politische Unfähigkeit! Es stinke zum Himmel und Leute wie sie, "engagiert seit Jahrzehnten", müssten sich dann als "Gutmenschen" diffamieren lassen, bloß weil sie Gerechtes und Richtiges suchen. Und dann schreibt sie, käme auch noch so ein "Kolumnen-Schmierer" daher und fasle über einen schönen Tag (sie formuliert das so: "Sie verschwenden Platz.") Das war letzte Woche hier zu lesen nämlich. "Kolumne von einem geglückten Tag" war der Titel, unter dem es Rosinenweckerl, Radfahren, um Sonne über dem See und Berge im Blick ging. Mehr nicht. Und irgendwie kam mir vor, dass in Zeiten wie diesen so eine Erholung ganz gut tue. Mit Frau Gutmensch rechnete ich nicht. Die schrieb dann noch: "Wie können Sie da Radeln und Berggehen und ruhig schlafen, wenn die Welt herumtobt?" Ich wollte zunächst gar nicht antworten. Jetzt aber fiel mir doch noch was ein: Ich schlafe ruhig und fest, weil ich müde bin nach dem Radeln und Berggehen und wahrscheinich auch deshlab, weil ich weniger über den Unterschied zwischen Gut oder Böse, dafür viel über den zwischen g'scheit und g'scheit deppert nachdenke.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 09:42 auf https://www.sn.at/kolumne/fliehers-journal/kolumne-ueber-eine-geglueckte-kolumne-1057138

Schlagzeilen