Nur Musik ist nur für Deppen

Vor recht genau 90 Jahren startete der Österreichische Rundfunk sein Programm.

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Fliehers Journal Bernhard Flieher

Über das Radio sang die Band Queen: " . . . someone still loves you." Sprich: Radio ist nicht umzubringen. Bei Autofahrten durch ein enges Tal wär das eine Variante. Da bleibt hierzulande meist nur Restempfang, oft heißt er Ö3 oder Antenne-Irgendwas. Überall läuft die gleiche Musik, dieselben billigen Schmähs, Verkehrsfunk als sprachlich höchste Attraktion und jede Stunde wird nur getan, als wäre, was gesendet wird, Weltnachrichten. Da schlägt ein Gleichklang zu, der die Sache mit dem Umbringen in ein anderes Licht rückt.

Wurde aus Radio eine Angriffswaffe gegen Geist und Vernunft? Aber dann weitet sich das Land eh und es gehen auch andere Sender rein. Nun müssen keine noch so gerechtfertigten Lobeshymnen auf Ö1 oder Bayern 5 passieren. Auch muss nicht gesagt werden, dass einem das Internet eine Worldwide-Radiowelt für jeden Bedarf liefern kann. Und auch soll nicht beschworen werden, dass früher alles besser gewesen sei.

Stumpfsinn war immer massentauglich.

Schön ist, dass in Zusammenhang mit dem Radiojubiläum die CD "Geschichte und Geschichten ums Radio" erschienen ist.

Alfred Treiber, in den späten 1960ern Mitaufbauer von Ö3 und später jahrelang Ö1-Chef, kommt darauf zu Wort. Sinngemäß sagt er, dass ein Radioprogramm, das bloß aus Musik bestehe, das auf jeden Anspruch auf Information verzichte, bloß für Deppen gut sei.

Daran sieht man, wie man ein Medium unterschätzen kann. Denn längst leben die meisten Sender von einem Geplapper, bei dem man sich wünscht: Bitte nur Musik.

Denn der einförmigste Beat hat noch mehr Anspruch, als die meisten Schmähs der Moderatoren oder der Gehalt dessen, was als "Nachrichten" versendet wird.

Aufgerufen am 19.11.2018 um 06:13 auf https://www.sn.at/kolumne/fliehers-journal/nur-musik-ist-nur-fuer-deppen-3068608

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