Sag nicht kochen, wenn du Essen machst

Jetzt auch für daheim: Einfaches Zubereiten tötet das sinnliche Kochen.

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Fliehers Journal | Leben in Salzburg Bernhard Flieher

Sie habe noch nie bessere Kürbissuppe gegessen. Dabei findet Oma nicht schnell etwas gut. Schon gar nicht, wenn ihr Essen hingestellt wird. Sie kocht selbst wie eine Weltmeisterin, weil Erfahrung und weil dieses Gespür für ein bisserl eine Prise da und ein bisserl Rahm dort, obwohl das nicht im Rezept steht. Omas kochen nicht nach Rezept, sondern mit Sinnen und Erfahrung. Es nimmt sich aber kaum noch wer Zeit, die zu bekommen. Und jetzt diese Kürbissuppe, die der Opa ihr hinstellt. Man muss wissen: Opa kocht nicht. Der wärmt auf, bastelt auch einmal eine schöne Jause. Aber Oma und Opa haben jetzt so ein Gerät, das selbst kocht. Das Gerät kommt von einer Firma, die bisher nur durch Staubsauger auffiel. Das muss nichts bedeuten. "Clever kochen" könne das Ding, sagt die Firma. Quasi deppensicher. Das ist eine Übertreibung. Kochen ist ein Abenteuer für Individualisten und nie deppensicher. Das Gerät hat aber ein Display, das vorschreibt, was wann in welcher Menge reinmuss, damit hinten was rauskommt. Mit Kochen hat das nichts zu tun, dafür aber mit Essen-Machen, Zubereiten, Anrichten. Da werden jetzt manche wieder sagen, was klaubt er denn die Worte so herum. Kochen? Zubereiten? Ist doch wurscht und alles gleich. Das können nur solche sagen, die sich bedenkenlos an den Umstand gewöhnt haben, dass wir Kriegsminister lange schon Verteidigungsminister nennen.

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