Das politische Spiel mit Abtreibungen ist so simpel wie schäbig

Abtreibungen sind ein beliebtes Thema für streng konservative Politiker. Das nützt nur ihnen, aber keiner einzigen Frau.

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Frauensache | alles über Frauen Karin Zauner

USA, Polen, Kroatien, Österreich. Wenn es um Wahlkampf mit streng konservativen Kandidaten oder Änderungen der politischen Landschaft in diese Richtung geht, kommt wie das Amen im Gebet ein Thema auf den Tisch: Abtreibungen. Ohne Frage ein wichtiges Thema, das aber abseits von Wahlkämpfen und Systemänderungen Politiker und ihnen nahestehende Organisationen nicht besonders interessiert.

Frauen, die abtreiben, müssten bestraft werden, hatte US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump gemeint und es später revidiert, als ihn sogar die nicht gerade zimperlichen Abtreibungsgegner in den USA stark kritisiert hatten. In Kroatien haben sich vor einigen Tagen Mitglieder einer katholischen Organisation, die illegal vom Spital Daten einer Frau bekommen hatten, vor einem Krankenhaus in Vukovar versammelt, um die Frau von der Abtreibung abzuhalten. Seit Jänner wird das Land von einer rechtsgerichteten Koalition geführt, Sanja Oreskovic, die Frau des kürzlich gestürzten Regierungschefs Tihomir Oreskovic, tat sich stark als Abtreibungsgegnerin hervor. Im österreichischen Bundespräsidentschaftswahlkampf, Runde eins, hatte FPÖ-Kandidat Norbert Hofer laut über verordnete Nachdenkphasen für Frauen nachgedacht, die abtreiben wollen. In Polen, das ohnehin eines der schärfsten Abtreibungsgesetze in Europa hat, wurde die weitere Verschärfung erst nach Massenprotesten von der Agenda genommen.

Warum aber werden Abtreibungen, von denen vergleichsweise wenige Menschen betroffen sind und die im Alltag der meisten keine Rolle spielen, immer wieder lautstark für politische Zwecke missbraucht? Fakten zeigen, wie relativ klein im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung die Zahl der Betroffenen ist: In Österreich gibt es im Jahr geschätzt 35.000 Abtreibungen, in Deutschland waren es im Vorjahr 99.200. Bei derart niedrigen Zielgruppenzahlen rühren Politiker üblicherweise nicht einmal den kleinen Finger, geschweige denn die Werbetrommel. Doch Abtreibungen sind ein hochemotionales Thema, mit dem sich gut Stimmung machen lässt. Sie bieten ein hervorragendes Spielfeld für Ideologie und Machtgelüste. Die einen (meist Männer) bestimmen, was andere (Frauen) dürfen oder nicht, noch dazu in einem Bereich, der intimer und persönlicher nicht sein kann. Und das Beste für jene, die mit dem Thema polemisch Politik machen, ist, dass Betroffene aus Angst und Scham stillhalten und sie auch wenig Lobby haben.

Frauen brauchen und wollen niemanden, der ihnen Denken verordnet, für sie entscheidet oder Macht über sie ausübt. Politiker, die etwas tun wollen, um die Zahl der Abtreibungen zu senken, was jede und jeder will, sollten sich für die Erforschung der Beweggründe von Frauen und die Verbesserung ihrer Lebenswelten einsetzen.

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