Ein Hoch auf das Schöne und die Liebe!

Morgen ist Valentinstag. Sie verdrehen die Augen? Wagen Sie einmal einen anderen Blick darauf. Wir könnten das gebrauchen.

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Frauensache Karin Zauner

Tag des Apfels, Tag der offenen Töpferei, Valentinstag (Achtung, morgen, Dienstag!). Das inflationäre Auftreten der Gedenk- und Aktionstage kann nerven. Vor allem solche Tage, die derart eng mit dem Konsumieren verwoben sind wie der Valentinstag. Wieder ein Tag im Jahr, an dem einem quasi vorgeschrieben wird, seine Liebste oder seinen Liebsten mit einer Aufmerksamkeit zu beglücken. Kommerz statt Gefühl. So kann man es sehen.

Es geht aber auch anders: Im Grau des Spätwinters, in Auslagen und Blumenläden hinter schwarzen Streifen alten Schnees prangen dieser Tage überall bunte Frühlingsblumen, rote Herzen, Bilder von Verliebten. Das ist ein wunderschönes Kontrastprogramm zu all dem Fürchterlichen und Verstörenden, das uns sonst den ganzen Tag über begleitet. Terror hier, ein verrückter US-Präsident dort.

Warum sind die Satirevideos über Donald Trump auch bei den Intellektuellen so populär? Weil Humor vielleicht eine der wenigen guten Möglichkeiten für uns ist, mit diesem angstmachenden Polit-Schauspiel umzugehen. Ähnlich könnte es sich mit dem Valentinstag verhalten. Wir könnten uns an den vielen schön arrangierten Blumen, die überall ausgestellt sind, erfreuen. Wir könnten über die verrückten Angebote zum Valentinstag herzlich lachen. So bietet der Bronx-Zoo in New York City an, einer bestimmten Kakerlake den Namen des oder der Liebsten zu geben. Klingt in europäischen Ohren etwas unappetitlich, dahinter steckt aber, dass Kakerlaken quasi alles überleben. Die Namensgebung soll also das Symbol dafür sein, dass die Beziehung ebenso widerstandsfähig wie das Insekt ist. Tja, die USA haben allerlei Sinn für Kurioses.

Zurück nach Österreich. Am Valentinstag könnte man schlicht auch mit der Liebe in unserem Leben die Liebe feiern, auch wenn es ein bisschen angeschafft wirkt. Weil die Liebe in besonders herausfordernden Zeiten neben Humor immer noch das ist, was uns im Leben am meisten stärkt. Wir verlieren keine Seriosität, kein Ansehen und keinen Intellekt, wenn wir den Valentinstag für Romantik in eigener Sache nutzen. Natürlich könnten wir das auch die restlichen 364 Tage im Jahr tun, aber manchmal braucht es halt einen Schubs. Wir sollten uns freuen, wenn uns wildfremde Kellner oder Kassiere mit einem Lächeln eine Blume schenken. Manche mögen einwerfen, das sei doch nichts als Marketing und Geschäft. Ja, ist es. Aber im Vergleich zu anderen Aktionen sind diese Gesten doch wirklich schön.

Außerdem verdient der Valentinstag Respekt. Denn der Überlieferung nach hat einer für die spätere Erfindung des Gedenktags den Kopf eingebüßt. Bischof Valentin von Rom soll als Priester Paare trotz des Verbots durch Kaiser Claudius II. nach kirchlichem Ritus getauft und den Paaren Blumen geschenkt haben. Diese Ehen sollen unter einem besonders guten Stern gestanden sein. Er selbst hatte nicht so viel Glück und wurde 269 auf Befehl des Kaisers enthauptet.

Übrigens, nicht nötig, dass Sie Blumen schicken. Zu wissen, dass Sie einen guten Tag haben, ist Freude genug!


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