Es gibt genug qualifizierte Frauen

Österreichs Aufsichtsräte sollen weiblicher werden. Die Regierung will dafür Zwang ausüben. Die Mär, dass es die geeigneten Frauen nicht gibt, fällt in die Kategorie "alternative Fakten".

Autorenbild
Frauensache Karin Zauner

Jetzt kommt sie also doch, die Frauenquote für Aufsichtsräte in der privaten Wirtschaft. Nach Vorbild der deutschen Rechtslage sollen laut neuem Regierungspakt ab Jänner 2018 sowohl börsenotierte Unternehmen als auch Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten eine Frauenquote von 30 Prozent festlegen, die bei Neubestellungen verpflichtend einzuhalten ist.
Ein männlicher Personalberater formulierte es so: "Beim derzeitigen Niveau vieler heimischer Aufsichtsräte kann es mit einer Quote nur noch besser werden." Seine Aussage ist pointiert, zielt aber auf etwas Wichtiges ab. Denn Aufsichtsräte ändern sich gerade beziehungsweise müssen sich ändern. Genügte es bis vor Kurzem noch, Entscheidungen und Tun des Vorstands abzunicken, so erfordern die rapide Veränderung in der Geschäftswelt und die Gefahr für Aufsichtsräte, schnell einmal vor dem Richter zu landen, eine völlig andere Herangehensweise an die Funktion.

Kurz gesagt, Aufsichtsräte müssen sich zum Teil neu erfinden. Denn Aufsichtsräte sind heute nicht mehr nur ein reaktives Überwachungsorgan, sondern strategische Partner für den Vorstand. Sie haben ihren Fokus daher auch auf die zukünftige strategische Entwicklung einer Gesellschaft zu legen. Es geht um konstruktiv-kritische Analysen in laufenden Prozessen.
Aufgaben, die Frauen gut beherrschen und die wohl auch nur in diversen Teams inklusive Frauen gut erfüllt werden können. Die Realität schaut aber anders aus: Jedes vierte der 200 größten Unternehmen in Österreich (28,5 Prozent) kommt sowohl in der Geschäftsführung als auch im Aufsichtsrat gänzlich
ohne Frauen aus. Nach wie vor sind in den Geschäftsführungen etwa 13 Mal so viele Männer wie Frauen vertreten, der Aufsichtsrat ist zu 82,3 Prozent von Männern dominiert. In den Aufsichtsräten der größten beziehungsweise umsatzstärksten 200
Unternehmen liegt der Frauenanteil bei 17,7 Prozent. Das geht aus dem Frauen-Management-Report 2016 der Arbeiterkammer hervor.
Beim Thema Frauenquote stellt es vielen die Haare auf. Doch weil die Entsendungen in Aufsichtsräte meist informell und unstrukturiert erfolgen, kommen Frauen kaum zum Zug. Informell und unstrukturiert heißt, jemand kennt jemanden oder man kennt einander von anderen Aufsichtsräten und kommt so zu einem Mandat, von Spezi zu Spezi - österreichisch halt.
Industriellenvereinigung und Wirtschaftskammer kritisieren reflexartig beim Thema Quote, dass "es die qualifizierten Frauen" nicht gebe. Das ist schlichtweg falsch, das sind "alternative Fakten". Denn mittlerweile gibt es Datenbanken mit Hunderten bestens und auch speziell für Aufsichtsräte ausgebildeten Kandidatinnen für diese Funktionen. Allein es fehlt der Wille, sich diese Frauen auch nur anzuschauen.
Dass die Quote wirkt, zeigen andere Länder wie Deutschland, aber auch Österreich, das im staatsnahen Bereich eine Quote hat. Und weder der deutschen Wirtschaft noch den Betrieben mit österreichischer Beteiligung hat die Frauenquote zum Nachteil gereicht, im Gegenteil.
Die österreichische Regierung hat sich 2011 verpflichtet, den Frauenanteil in Aufsichtsgremien der Unternehmen, an denen der Bund mit 50 Prozent oder mehr beteiligt ist, bis Ende 2013 auf 25 Prozent zu erhöhen, bis 31. Dezember 2018 sollte die Beteiligung der Frauen auf 35 Prozent angehoben werden. Zuletzt lag der vom Bund verantwortete Frauenanteil in Aufsichtsräten staatsnaher Unternehmen bei durchschnittlich 38 Prozent. Der Bund war laut dem letzten Bericht an 56 Unternehmen mit 50 Prozent und mehr beteiligt und entsandte 295 von insgesamt 386 Aufsichtsratsmitgliedern - davon waren 112 Frauen. Insgesamt saßen in den Aufsichtsräten dieser Betriebe 133 Frauen, wobei die Quotenvorgabe nur für die vom Staat gestellten Aufsichtsratsmitglieder gilt.
Es gibt neue Herausforderungen für Unternehmen. Doch ihre Kontrollgremien ändern sich nicht im gebotenen Tempo. Gleichzeitig bleiben Frauen seit Jahren in diesen Gremien eine Randgruppe, obwohl es dafür genug fähige Frauen gibt. Die Konsequenz kann nur eine verordnete Quote sein, weil sich sonst nichts ändert. Ob einem das nun passt oder nicht.


Aufgerufen am 21.09.2018 um 08:13 auf https://www.sn.at/kolumne/frauensache/es-gibt-genug-qualifizierte-frauen-450241

Schlagzeilen