"Frauen fehlt es an Solidarität"

Der Aufruf an Leserinnen und Leser der "Salzburger Nachrichten", ihre Meinung und Fragen zum Thema Frauen und Männer in unserer Gesellschaft kundzutun, hat viel Kritisches zutage gebracht.

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Frauensache | alles über Frauen Karin Zauner


Vergangene Woche ist die "Frauensache" in direkten Kontakt mit den Leserinnen und Lesern getreten und hat sie darum gebeten, ihre Fragen und Meinungen zum schwierigen Thema soziale Geschlechterrollen kundzutun. Hintergrund ist, dass in politischen Auseinandersetzungen in den USA, aber auch in Europa die Themen Gleichberechtigung, Rechte für Frauen oder Sexismus eine große Rolle spielen. Die Diskussionen darüber verlaufen oft polemisch.

Wer geglaubt hat, dass es längst einen gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, dass sexuelle Übergriffe auf Frauen nicht toleriert werden, hat sich getäuscht.

Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Eurobarometer-Umfrage finden die Österreicher nicht allzu viel dabei, auf der Straße sexistische Bemerkungen gegenüber Frauen zu machen. Nur sieben Prozent sehen ein solches Verhalten als falsch und gesetzwidrig an. Lediglich in Spanien und Litauen liegt diese Einstellung mit je fünf Prozent noch darunter. EU-weit halten nur 49 Prozent sexuelle Gewalt gegen den Partner für falsch und gesetzwidrig. In Österreich sind es 50 Prozent. Ein Drittel der Österreicher meint, Geschlechtsverkehr ohne Einwilligung kann "gerechtfertigt" sein. Und nicht einmal ein Drittel der Österreicher sagt, dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz falsch und gesetzwidrig ist.

Angesichts derartiger Ergebnisse steht fest: Hier gibt es Diskussionsbedarf und auch Handlungsbedarf. Die SN-Leserinnen und SN-Leser haben sich zahlreich an der Diskussion beteiligt.

Eine Leserin meinte zum Beispiel, dass es den Frauen an Solidarität fehle. "Schon im Kindergarten lernen die Mädchen, schön zu sein. Es läuft der Wettbewerb: ‚Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?' Lehrkräfte mit Vorurteilen ermutigen Mädchen nicht ausreichend, in Mathematik gute Ergebnisse zu erzielen. Mädchen und Frauen müssen schön sein und wollen das auch. Der gesellschaftliche Druck hat in den letzten zwanzig Jahren stets zugenommen. Aufgrund der neoliberalen Wirtschaftsmechanismen müssen die Menschen in Arbeitsprozessen beinahe jederzeit zur Verfügung stehen. Frauen fühlen sich eher für Familie und Kinder verantwortlich als Männer. Bewusstseinsarbeit wäre in diesem Sinn sehr notwendig. Selbstbewusstseinstrainings für Frauen! Ich würde mir auch wünschen, das 21. Jahrhundert der älteren Frau zu widmen. Eine Schönheit mit Falten - wäre das nicht ein Gegenmodell? Ich saß vergangene Woche im Frisiersalon meines Heimatorts. Es liefen Videofilme und da sah ich stets junge Frauen und junge Männer. Innerhalb von zwei Stunden war in den Videos nur ein älterer Mann mit weißen schulterlangen Haaren und Bart zu sehen. Eine ältere Frau kam nicht vor. Es saßen aber lediglich drei ältere Frauen zwischen 50 und 70 vor dem Video im Frisiersalon."

Eine andere Leserin ruft zu mehr Entspannung in der Gender-Debatte auf. Sie meint, dass Familie und Freunde viel mehr Einfluss auf Einstellungen, Werte und Vorbilder hätten als Politiker wie etwa Donald Trump. "Vielleicht wäre manchmal weniger Korrektheit hilfreich, um das ganze Thema zu entspannen. Es sind ja nicht nur die Männer, die lockere Gespräche führen, auch Frauen lästern. Mit anderen Worten und Inhalten, aber mit der gleichen Intensität. Vielleicht sollte man erkennen, dass Gleichberechtigung nicht mit gleichen Vorstellungen, Wünschen, Werten und Fähigkeiten verwechselt beziehungsweise gleichgesetzt werden kann oder soll."

Viele Fragen kamen zum Thema Kinderbetreuung. So wollte eine Leserin wissen, wie es mit der Kinderbetreuung in Salzburg für Kinder unter drei Jahren ausschaut und welche erwerbstätige Frau sich das leisten könnte. Sie will wissen, welchen wirtschaftlichen Beitrag Frauen und Männer leisten könnten, wenn es eine Ganztagsbetreuung gäbe.

Kritische Meldungen von Männern kamen zum Thema Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen. Viele zweifeln den Gender Pay Gap an, auch wenn der unbereinigt wie bereinigt - um Faktoren wie Teilzeit oder Branche - ein Faktum ist.

Ihre Meinung zum Thema Frauen und Männer ist herzlich willkommen.




Aufgerufen am 19.11.2018 um 02:01 auf https://www.sn.at/kolumne/frauensache/frauen-fehlt-es-an-solidaritaet-826249

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