Macht und Erfolg sind Schwestern

Frauen haben ein schwieriges Verhältnis zur Macht. Sie sollten aber wenigstens die Spielregeln kennen.

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Frauensache Karin Zauner

In dem Moment, in dem vor vielen Jahren ein älterer Kollege eine Kollegin vor einer Sitzung bat, sie sollte sich woanders hinsetzen, weil er hier sitzen wolle und ihm das zustehe, glaubte ich, der Gute sei verwirrt. Nach der Sitzung erklärte ein anderer Kollege einer Gruppe Frauen mit verschwörerischem Unterton: "So funktioniert eben Macht." In völliger Verkennung der Bedeutung von Macht und ihren Ritualen im Job blieben wir trotzig bei der Haltung: Wir haben Wichtigeres zu tun, als uns um Unsinnigkeiten wie Sitzgeometrie zu kümmern. Ein Fehler, den Frauen besonders gern machen - und der ihnen im Berufsleben nur eines bringt: das Nachsehen.

Es geht nicht darum, böse Machtspielchen zu spielen, sondern darum, Macht und die sie Ausübenden zu verstehen und lesen zu können, um Macht im positiven Sinn zu nutzen. Denn wir können nur mit Macht gestalten. Wirtschaftscoach Christine Bauer-Jelinek hat recht, wenn sie betont, es gebe die dunkle und die helle Seite der Macht.

Es ist übrigens aufschlussreich zu wissen, dass derjenige, der bei Diskussionen gern hinter den Bürostuhl anderer tritt und dabei seine Hand auf fremde Schultern legt, nichts tut, als zu zeigen, hier habe er das Sagen, die anderen muss er deshalb ein bisschen runterdrücken. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat dies zur Perfektion gebracht. Bei jedem EU-Treffen bedenkt sie sämtliche EU-Granden mit Klapsen auf die Schulter, sie tut dies im Vorbeigehen, von hinten, und wenn die Kollegen sitzen. Und ich hatte immer gedacht, Derartiges wäre eine Art väterliche beziehungsweise mütterliche Zuwendung - als Frau ist man ja schon froh, wenn einem nur die Schulter getätschelt wird.

Ein besonders schönes Lehrstück der Macht führten kürzlich die ÖVP-Spitzen in Oberösterreich auf. Da stritten zwei Landesräte auf Teufel komm raus um eine Machtanhäufung in ihren Positionen, dass einem beim Zuschauen schummrig wurde. Das Ganze gipfelte darin, dass Landeshauptmann Josef Pühringer jedem der beiden Politiker so viel gab, damit beide zufrieden waren. Das Ergebnis wurde dann auch noch in einer sonntäglichen Pressekonferenz kundgetan. Es ging nie um Inhalte, nie um die Frage nach möglichen besseren Alternativen. Es war die öffentliche Zurschaustellung eines Machtspiels, bei dem die Protagonisten nicht den Funken von Scham zeigten. Denn für sie ist das normal, und sie haben die Macht, sich so zu gerieren.

Solche Machtspiele sind zum Schaudern, aber gerade Frauen sollten sie genau studieren, um rechtzeitig im positiven Sinn reagieren oder agieren zu können. Denn Macht und Erfolg sind Schwestern.

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