Neue beste Freundinnen

Modeindustrie und Feminismus. Die beiden hatten in den vergangenen Jahrzehnten nicht viel gemeinsam. Das ändert sich. Und bringt auf beiden Seiten Gewinnerinnen hervor.

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Frauensache Karin Zauner

"Wir sollten alle Feministinnen sein", "This P***y grabs back" oder "Die Zukunft ist weiblich". Wer in sein will, trägt derzeit T-Shirts mit Slogans, die sich mit Frauen und ihrem Ringen um Gleichberechtigung solidarisieren. Männer wie Frauen. Dass dieser Trend von Luxus-Modehäusern wie Dior befeuert wird, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Denn gerade die Modewelt, für die Frauen oft nicht mehr als wandelnde Puppen sind, und die Frauenrechtsbewegung waren nie beste Freundinnen.

Als vergangenen Herbst Maria Grazia Chiuri als erste Designerin des Modehauses Dior den Feminismus quasi auf den Laufsteg schickte, kamen auf dem Instagram-Account des Luxusunternehmens auch die Designerin und die in die Show involvierten Frauen hinter den Kulissen zu Wort. In diesem Frühjahr gehören feministische Statement-Shirts zum Must-have. Schauspielerinnen wie Natalie Portman oder Sängerin Madonna tragen sie. Mittlerweile muss die Kundschaft nicht mehr ein paar Hundert Euro für ein feministisches T-Shirt der Luxushäuser zahlen, sondern bekommt es auch zu üblichen Shirt-Preisen.
Warum aber kreuzen sich jetzt die Wege von Feminismus und Mode? Ist das nichts als zeitgeistige Werbung und Marketingstrategie in einer Zeit, in der Politiker wie Präsident Donald Trump Frauen beleidigen und Frauenproteste auslösen? Die Modewelt als Trittbrettfahrer zu betrachten wäre unrichtig. Sie beschäftigte sich schon vor den Frauenmärschen gegen Trump mit dem Thema. Bereits 2014 hatte Chanel Star-Model Cara Delevingne mit Plakaten mit dem Schriftzug "Frauenrechte sind in Ordnung" auf den Laufsteg geschickt.

Es geht nicht darum, dass T-Shirts Menschen zu Feministinnen machen oder dass die Modewelt mit all ihren Unzulänglichkeiten, wozu auch die Arbeitsbedingungen von Frauen gehören, den Feminismus beschmutzt. Wichtig ist vielmehr, dass einfache Shirts eine unglaubliche Macht haben. Sie machen perfide Frauenfeindlichkeit, die vom Establishment oft geleugnet wird, sichtbar. Die Modeindustrie ist mächtig. Ihre Trends werden durch Sportler, Filmstars und Musiker milliardenfach in die Welt geschickt. Zu einem Zeitpunkt, an dem Frauen selbst um bereits hart Erkämpftes wieder ringen müssen, ist es letztlich egal, wer ihre Verbündeten sind. Sollen die Modemacher am Feminismus verdienen und ihr eigenes Image damit aufpolieren, solange der Feminismus eine starke und nicht zuletzt humorvolle Stimme bekommt, sind sie herzlich willkommen. Schließlich tut mehr Humor der Modebranche und den Feministinnen gut.


Aufgerufen am 20.09.2018 um 06:14 auf https://www.sn.at/kolumne/frauensache/neue-beste-freundinnen-182233

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