Von hübschen Mädchen und starken Burschen

Nicht umblättern! Auch wenn hier das böse F-Wort kommt. F wie Feminismus. Es kann Ihr Leben ändern. Die SN liefern zu.

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Frauensache Karin Zauner

"Du bist aber hübsch in deinem Kleid!" Ist dieses Lob für ein Mädchen klassisch stereotyp oder schlicht etwas Nettes? Es kann beides sein. Was zählt, ist die Balance. Erklären wir den Mädchen abseits dessen, dass ihnen ihr Kleid gut steht, auch, dass wir ihre guten Leistungen in der Schule schätzen, ist es kein Problem, das Äußere zu erwähnen. Das Ganze kann jederzeit in die Welt der Erwachsenen übertragen werden. Ich freue mich ehrlich über ein "Toll schaust aus", bekomme aber die Krise, wenn ich das Gefühl habe, dass dahinter meine Leistungen weniger wichtig sind oder gar nicht gesehen werden.

Stereotype, also relativ starre überindividuell geltende und weit verbreitete Vorstellungsbilder, sind entscheidend, wenn es darum geht, wie Frauen und Männer in unserer Gesellschaft gesehen werden und wirken (können). Der Grundstein wird früh gelegt. Wenn wir heute junge Menschen beobachten, dann sind Burschen wie Mädchen, aber auch Erwachsene sehr um Äußerlichkeiten bemüht. Der Druck durch die Medienwelt ist enorm. Das Wesentliche dabei ist nicht so sehr, dass wir uns mit unserem Aussehen beschäftigen, sondern wie die Ideale, denen die Menschen nacheifern, konstruiert sind. Geht es darum, dem anderen Geschlecht zu signalisieren, ich bin zu haben, oder um die Betonung von Härte, fehlender Emotion oder physischer Stärke. Wird dann abgeleitet, dass der Bub oder Mann nicht so mädchenhaft beziehungsweise weiblich und das Mädchen, die Frau nicht so jungenhaft oder männlich agieren darf, hat dies Einflüsse auf deren Leben: privat, in der Schule, im Beruf, bei ihren Einkommen.

Es sind Dinge wie Stereotype, die sich Gen derforscherinnen und Genderforscher sowie Feministinnen genau anschauen, um daraus abzuleiten, warum gesellschaftliche Entwicklungen so sind, wie sie sind. Sie versuchen aus Erkenntnissen neue Handlungsweisen oder zumindest die Forderung danach abzuleiten. Feminismus und Genderfragen sind vielfach ungeliebte Gebiete. Sie werden mit Ideologien überfrachtet, für politische Zwecke instrumentalisiert und wären - nüchtern betrachtet - doch für einen guten Zweck da. Unser aller Leben besser zu machen. Denn dass Geschlechterfragen nur dazu da sind, den Frauen mehr Macht, Geld und Möglichkeiten zu verschaffen, stimmt nicht. Egalität der Geschlechter bringt auch den Männern viel. Zum Beispiel ist es unbestritten, dass der Männlichkeitsdruck, unter dem Männer stehen, ihrer Gesundheit schadet.

Warum der Feminismus dennoch manchmal einem Minenfeld gleicht, wie sich die Rolle der Männer verändert oder auch nicht und was gestandene Frauen aus verschiedensten Bereichen des Lebens wirklich in ihrem Frauenleben bewegt, können Sie kommenden Samstag (4. März) in einem Themenschwerpunkt im SN-Wochenende lesen.

Aufgerufen am 21.06.2018 um 06:22 auf https://www.sn.at/kolumne/frauensache/von-huebschen-maedchen-und-starken-burschen-336835

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