Crowdfunding funktioniert auch auf dem Land

In den nächsten 20 Jahren wird sich die auf dem Land lebende Bevölkerung in der EU halbieren. Höchste Zeit, neue Wege einzuschlagen.

Gewagt gewonnen | Wirtschaft - Unternehmen Gertraud Leimüller

In der Stadt, so sagt man, herrschten Vielfalt und Dichte. Sie sei somit die Brutstätte des Neuen. Und auf dem Land? Da kennt jeder jeden. Das kann Enge bedeuten, aber auch Nähe und Vertrautheit. Darauf wird im digitalen Zeitalter, wo man scheinbar auf Knopfdruck jede Distanz überbrücken kann, aber doch daran scheitert, an die Leute heranzukommen, gern vergessen: Die Vorarlberger Raiffeisenbanken haben in nur 16 Monaten über die eigene Crowdfunding-Plattform mit.einander.at
20 Projekte aus dem Bundesland finanziert.

Die Palette reicht vom Schülerprojekt zum Thema Demenz, für das 450 Euro eingesammelt wurden, bis zum Behindertenflugzeug, für dessen neuen Motor fast 15.000 Euro zusammengekommen sind. Das Geld kam von Bürgerinnen und Bürgern, die einen Beitrag für Projekte der Region leisten wollen. Nun ist Crowdfunding nichts völlig Neues. Schon vor 60, 70 Jahren wurde die Errichtung von Skiliften in den Bergen durch Beiträge von vielen Einzelnen, damals schon etwas wohlhabenderen Personen, finanziert. Neu ist, dass man sich heute dank moderner Technologie auch mit Kleinbeiträgen beteiligen kann. Und erstaunlich ist, dass auf einer kleinen regionalen Plattform so viel los ist. Denn viele der größeren Plattformen tun sich schwer, genügend Projekte und Finanziers anzulocken, ob nun in Form von Spendern oder Investoren. Auf manchen herrscht gähnende Leere.

Daraus lässt sich schließen: Moderne Finanzierungsformen wie Crowdfunding haben Potenzial auf dem Land. Das heißt nicht, dass nun jeder eine regionale Plattform eröffnen sollte. Davor sei gewarnt. Aber man sollte die bestehenden viel stärker für regionale Entwicklung heranziehen und jene Menschen, die Geld sinnvoll in der Region einsetzen wollen, mit jenen zusammenbringen, die gute Projektideen haben. Beide Gruppen sind zu groß, um sich nur, wie häufig in der Regionalentwicklung, auf öffentliche Förderungen zu verlassen.

Warten wir nicht, bis sich die Landbevölkerung halbiert, wie es das Statistikamt der EU für die nächsten 20 Jahre in Europa voraussagt. Wer Augen und Ohren öffnet, stößt auf viele ungenutzte Möglichkeiten, jenseits der Stadt.

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