Die Arbeit verändert sich. Vielleicht durch eine kleine Brille

In 20 Jahren gehört die Hälfte der Arbeitskräfte zu den Digital Natives. Doch kaum einer von ihnen wird noch an einem PC arbeiten.

Gewagt gewonnen Gertraud Leimüller

Was wird sich in den nächsten zwei Dekaden verändern? Das fragte ich kürzlich einen mir bekannten Forscher beim Computerriesen IBM in der Schweiz. "Es wird keine Personal Computer mehr geben", sagte der gelehrte Mann. Also keine PCs mehr auf dem Schreibtisch. Wozu dann überhaupt noch einen Schreibtisch?

PC Natives, die das ganze Berufsleben über Tausende an Stunden in einen Computerbildschirm gestarrt haben, können sich die radikale Veränderung ihres Arbeitsplatzes schwer vorstellen. Sie sind geprägt wie Entenküken, die jenem Wesen folgen, das zuerst in ihr Blickfeld tritt. Und das war, unter den digitalen Wesen, der PC. Doch wenn man mit Digital Natives spricht, also Personen mit Geburtsjahr 1980 und jünger, die das digitale Leben bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben, so stellt sich die Sache ganz anders dar: In Deutschland werden heuer dreißig Mal so viele Smartphones verkauft wie Babys geboren. Wer hätte vor fünf Jahren, als das iPhone geboren wurde, gedacht, dass der Masse bald ein normales Mobiltelefon nicht mehr reichen würde, sondern der ganze Computer in die Hosentasche muss?

Da das Urmodell des Computers für jedermann unterwegs nicht bedienbar ist und damit nicht zum digitalen Lebensstil passt, ist es eigentlich logisch, dass der PC auf der Müllhalde der Technikgeschichte landen wird. Doch, was kommt danach? Smartphones sind vom sozialen Aspekt betrachtet nicht das Gelbe vom Ei, schlecht für die Augen und gefährlich, wenn man sie im Gehen oder Fahren benutzt.

Eigentlich müsste es einen Datenhelm geben, der sich nahtlos in den Alltag einfügt. Google hat diese seit Jahren kursierende Idee aufgenommen und kürzlich den Prototypen der Videobrille Google Glass vorgestellt. Diese blendet E-Mails, Anrufer, Wetter-, Verkehrs- und Termininformationen direkt über dem Blickfeld ein und ist leichter als eine Sonnenbrille.

Eine dumme Sommerfantasie? Mitnichten. Datenbrillen und ähnliche Geräte, die noch enger mit ihren Trägern verschmelzen, werden sich durchsetzen, dort wo sie echte Vorteile bieten. Etwa für einen Arzt, der durch die Brille Befunde ansehen kann, noch während er den Kranken untersucht. Oder für einen Autofahrer, der sich nicht mehr vom Navi ablenken lassen muss.

Die Akzeptanz ist nicht das Problem: In 20 Jahren gehört bereits die Hälfte der Arbeitskräfte zu den Digital Natives. Dass man zur Arbeit extra ins Büro fahren muss, wird für sie bereits exotisch klingen.

Aufgerufen am 15.12.2018 um 12:44 auf https://www.sn.at/kolumne/gewagt-gewonnen/die-arbeit-veraendert-sich-vielleicht-durch-eine-kleine-brille-5960137

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