Man muss nicht Donald Trump heißen, um Regeln zu brechen

Was hält uns in dieser schnellen Zeit beweglich? Neun Prinzipien für jene, die wirklich hinter dem Neuen her sind.

Gewagt gewonnen Gertraud Leimüller

"Es geht uns gut." Mit diesem Motto könnten wir, angelehnt an den Titel eines preisgekrönten Romans des österreichischen Autors Arno Geiger, mit Elan ins neue Jahr starten. Könnten wir: Der Buchtitel ist ironisch gemeint, weil es unter der schönen Politur der Romanfamilie Sterk brodelt und manches danebengeht.

Auch uns gelingt es kaum, in Euphorie zu verfallen. Die Floskel "Uns geht es gut" geht oft mit einer Lähmung des Einzelnen, der Firma, des Amts oder Vereins einher, mit der Unfähigkeit, die Verhältnisse tatsächlich zu ändern, obwohl sie längst zwicken wie ein zu eng gewordenes Kleid. Was müssen wir also tun, damit Innovation und Erneuerung, die in der Sattheit stets zu den gefährdeten Arten zählen, 2017 endlich ihre Bühne bekommen?

Eine schräge Institution, die Neuem seit 32 Jahren hinterherjagt und dabei Technik, Kunst, Medien und Wissenschaft wild vermischt, ist das Media Lab der renommierten US-Universität MIT. Dort gibt es keine Denkverbote und von dort stammen Innovationen, von denen viele Menschen profitieren, von bionischen Bein- und Armprothesen, die funktionieren wie eigene Gliedmaßen, bis zur elektronischen Tinte, die uns auf dem Smartphone oder Tablet Texte lesen lässt wie auf Papier. Joi Ito, der Direktor des MIT Media Lab, hat seinen Forschern und Studierenden neun Prinzipien ans Herz gelegt, um dem Neuen gebührlich seinen Platz zu verschaffen. Sie bieten Inspiration, wie man der Lähmung entgehen kann.

1. Ungehorsam statt Regeltreue. Hier geht es nicht um politische Provokation und Inszenierung wie beim derzeit populärsten Regelbrecher Donald Trump oder dem Fördern von Gesetzesbruch, sondern um das Hinterfragen von (vermeintlich) bestehenden Grenzen und Glaubenssätzen. Motto: Keine Innovation ohne Regelbruch. 2. Anziehungs- statt Schubkraft. Wer zu groß und perfekt für alle Eventualitäten ausgerüstet ist, ist nicht agil. Besser ist es, auf ein Netzwerk an Partnern zurückzugreifen.

3. Kompass statt Landkarte und 4. Praxis statt Theorie: Da sich alles ständig ändert, ist es sinnlos, zu planen wie früher. Experimentieren macht Lernkurven steiler. 5. Emergenz statt Autorität: Innovation kann man nicht verordnen. Sie braucht einen großzügigen Rahmen und muss von unten entstehen dürfen.
6. Lernen statt Bildung: Es geht um aktives Lernen des Einzelnen, nicht um verordnete Bildung. 7. Resilienz statt Stärke: Jeder macht Fehler, das ist okay. Wir müssen nur das Aufstehen nach dem Hinfallen üben. 8. Systeme statt Objekte: Da alles mit allem zu tun hat, geht es nicht um Produkte, sondern um Netzwerke und Ökosysteme. 9. Risiko über Sicherheit: Durch Überbetonung von Sicherheit beraubt sich der Mensch seiner Lernmöglichkeiten.

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