Sechs echt peinliche deutsche WM-Auftritte

Am Ende gewinnen (fast) immer die Deutschen. Wir erinnern hier aus Anlass des 0:1 gegen Mexiko an die wenigen Fehltritte bei Weltmeisterschaften. Und weil es eben die Deutschen sind, ist auch ein Sieg dabei.

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Hauptsache Sport Gerhard Öhlinger
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1938: Nach Hause geht's und nicht nach Lille. 1:1 und 2:4 gegen die Schweiz, damit musste das zusammengestoppelte großdeutsch-ostmärkische Gebilde aus Frankreich gleich wieder heimfahren. Fußball wird eben mit Füßen gespielt und nicht mit dem zackig hochgeworfenen rechten Arm. "Nach Hause geht's und nicht nach Lille", in Anspielung auf den Spielort der nächsten Runde, schrieb das Wiener Sport-Tagblatt. Nun ja, das wurde leider schon ein paar Jahre später mit anderen Geschützen nachgeholt. "Die peinlichste Niederlage seit Jahren", hieß es weiter.


1970: Montezumas Rache und ein Trauerspiel. Der WM-Schauplatz Mexiko verlangte den Deutschen alles ab. Höhenlage, "Montezumas Rache" bei etlichen Spielern und 39 Grad beim Anpfiff gegen Startgegner Marokko. Eine Truppe aus Amateuren, die zwei Mal pro Woche trainierte. Bundestrainer Helmut Schön sagte: "Wenn wir da nicht gewinnen, dann weiß ich nicht." Schließlich wendeten erst Uwe Seeler und Gerd Müller mit späten Toren beim 2:1 die totale Blamage ab. Der "Kicker" konstatierte: "2:1 - aber ein Trauerspiel."





1974: Purzelbaum mit Hammer und Sichel. Eigentlich auch ein deutscher Triumph, zumindest für die DDR. Das 1:0 gegen die Brüder aus dem Westen - Torschütze Jürgen Sparwasser jubelte seltsamerweise per Purzelbaum - blieb eine einmalige Sache. Die BRD raffte sich danach auf und wurde schließlich Weltmeister. Der Dressentausch auf dem Spielfeld unterblieb aus politischer Rücksichtnahme. Er erfolgte stattdessen wie ein Agenten-Austausch: Berti Vogts lieferte die weißen Trikots seines Teams gesammelt in der DDR-Kabine ab und übernahm den Stapel blauer Textilien mit Hammer und Sichel.



1978: Cordoba, Teil 1. Schon elf Tage vor dem 2:3 gegen Österreich sah das BRD-Team in Cordoba schlecht aus. Gegen Tunesien musste Sepp Maier im Tor ein 0:0 retten. "So gewinnen wir hier keinen Blumentopf", analysierte Bundestrainer Helmut Schön. DFB-Präsident Hermann Neuberger schimpfte über "mangelnde Kondition" der deutschen Mannschaft und empfing am nächsten Tag Alt-Nazi Hans-Ulrich Rudel im Mannschaftsquartier.


1982: Blamage erster Klasse. Trainer Jupp Derwall kündigte an, mit dem Zug nach Hause zu fahren, sollte seine Mannschaft gegen Algerien verlieren. Gegnerbeobachtung? "Meine Spieler würden mich für doof erklären." Resultat dieser Arroganz: 1:2-Niederlage gegen die Nordafrikaner. Die feierten den Erfolg mit Cola. Derwall fuhr übrigens nicht mit dem Zug.


1994: Eingeschläfert von Balkan-Männern. Titelverteidiger Deutschland, eigentlich "auf Jahre hinaus unschlagbar" (Copyright: Franz B.), dominiert im Viertelfinale gegen Bulgarien klar und führt mit 1:0. Aber ein Freistoß von Hristo Stoitschkow und ein Kopfball von Jordan Letschkow besiegeln das Aus der Deutschen, bei denen Stefan Effenberg wegen Stinkefingerzeigens im Spiel davor fehlte. Die "Bild"-Schlagzeile nach dem 1:2: "Eingeschläfert von Balkan-Männern".


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