Sechs seltsame Dinge, die bei Länderspielen gegen Polen passierten

Von Rhetorikern, Verunglimpfungen und einem Kaiser auf den kalten Lehener Stadionstiegen: Der etwas andere Match-Vorschau-Rückblick.

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Hauptsache Sport Gerhard Öhlinger
Polen jubelt, Manninger ist geschlagen: Szene aus dem Match 2004.  SN/gepa
Polen jubelt, Manninger ist geschlagen: Szene aus dem Match 2004.

B wie Polen

Im Herbst 1935 trat Österreich nur mit einer B-Auswahl zum Auswärtsspiel in Warschau an, sehr zum Missfallen der Polen, die ihr stärkstes Team aufboten und mit 1:0 siegten. Österreichs A-Team hatte am selben Tag ein Heimspiel gegen Ungarn (4:4), so dass für 6. Oktober 1935 tatsächlich zwei Länderspiele in der Statistik stehen.


Theoretisch rhetorisch

1977 war Polen Testgegner für die Cordoba-Helden in spe. Wenige Tage vor dem Spiel trat Max Merkel seinen Dienst als ÖFB-Sportdirektor an. Erste Maßnahme: Ein Rhetoriker wurde verpflichtet, um den Teamspielern eine gepflegtere Ausdrucksweise in TV-Interviews beizubringen. Österreich gewann mit 2:1.


Die Kaiserstiege

1992 empfing Österreich unter Teamchef Ernst Happel die Polen zu einem Testmatch in Salzburg-Lehen. Happel gesellte sich vor dem Match für ein Pläuschchen zu Zaungast Franz Beckenbauer auf die Tribüne. Der "Kaiser" machte dem "Wödmasta" artig Platz und setzte sich daneben auf die Steinstufen. Beckenbauer blieb ganz Sir und kommentierte die unterirdisch schwache Leistung der Österreicher beim 2:4 so: "Positiv war, dass sie nicht aufgehört haben, zu kämpfen."


Herzogs Auto-Marathon

1994 verscherzte es sich Andreas Herzog mit Teamchef Herbert Prohaska. Der Bremen-Legionär erwischte nach dem DFB-Pokalfinale mit Bremen in Berlin seinen Flieger nicht mehr, fuhr mit Papa Anton in einer Hauruck-Aktion per Auto ins Teamcamp nach Wien, wo man sich auf ein Polen-Spiel vorbereitete - und durfte gleich wieder abreisen: "Es kann nicht jeder kommen, wann er will", blieb Prohaska hart und verbannte seinen Kapitän aus dem Kader.

Flutsch

2004 schien das Team in der WM-Qualifikation unter Hans Krankl auf gutem Weg zu sein. Österreich war in Wien optisch besser, aber beim Stand von 1:1 flutschte Torhüter Alexander Manninger ein abgefälschter Freistoß von Jacek Krzynowek durch die Hände. Endstand 1:3, vier Tage später kam es zum irreregulären 3:3 gegen Nordirland...

Das stinkt

2005 gab es für Didi Kühbauer vor dem WM-Qualifikationsmatch in Chorzow Ungemach. Wenige Tage zuvor soll er am Rande eines Bundesligaspiels seinen Gegenspieler Adam Ledwon als "stinkenden Polen" bezeichnet haben. Ein Politiker erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Verunglimpfung des Ansehens Polens. Der polnische Boulevard heizte die Stimmung an, Österreichs Hymne ging in einem Pfeifkonzert unter, das verschreckte ÖFB-Team unterlag mit 2:3. Es war Kühbauers letztes Länderspiel.

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