Nix ist's mit der Hoffnung auf mehr Menschlichkeit

Institutionen, die absolute Macht beanspruchen, halten nichts von mehr Menschlichkeit im Umgang mit Minderheiten.

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HEVI Viktor Hermann

Es war geradezu rührend, wie sich die Begeisterung in den vergangenen Wochen aufgebaut hatte. Die Botschaft, die da aus Rom gekommen war, hatte durchaus das Potenzial zur Revolution. Der Papst forderte die Bischöfe
auf, in der Bischofssynode über Ehe und Familie nicht einfach althergebrachten Ansichten zu folgen, sondern sich auf Neues einzulassen. Sie sollten darüber befinden, ob Homosexuelle nicht doch auch Menschen mit dem Recht auf die Achtung durch ihre Mitmenschen seien. Sie sollten sich mit neuen Formen des Zusammenlebens in- und außerhalb der klassischen Ehe auseinandersetzen. Und sie sollten ganz offensichtlich versuchen, den Gläubigen das Leben nicht schwerer zu machen als unbedingt nötig.

Die Euphorie trieb manchen so weit, schon an eine Kehrtwende der katholischen Kirche zu glauben, ja gar davon zu träumen, dass dieser Apparat menschlicher werde.

Die Bischöfe haben den Blütenträumen eine klare Absage erteilt. Nichts ist es mit den Sakramenten für wiederverheiratete Geschiedene. Nichts ist es mit der Achtung vor dem etwas anderen Lebensentwurf der Homosexuellen. Ja die gütigen Worte, die Jorge Mario Bergoglio für die Schwulen gefunden hatte, sind aus dem Schlussdokument der Synode gänzlich verschwunden.

Der harte Kern der Kirche, die Stahlhelmfraktion, hat vorerst einmal gesiegt. Das mag für den innerkirchlichen Prozess der Auseinandersetzung nicht viel bedeuten. Denn der Vatikan denkt in Generationen, nicht in Monaten und Jahren. Mag schon sein, dass die Hartköpfe irgendwann einmal in die Minderheit gelangen, mag sein, dass dieser oder der nächste Papst oder der übernächste irgendwann einmal den schwerfälligen Tanker Kirche in eine neue Richtung steuern kann.

Doch das hilft nicht jenen, die jetzt in Ländern mit katholischen Mehrheiten oder mit einer aufstrebenden katholischen Gemeinde leben, in denen Homosexualität Anlass für Unterdrückung, Ausgrenzung, Haft, Folter
und sogar die Todesstrafe ist. Die Bischöfe aus diesen Ländern - sie haben ja den Ruf, gerade in Fragen von Ehe, Familie und Sexualität ganz besonders auf althergebrachte Prinzipien zu achten - gehen jetzt heim und verbreiten eine Botschaft, die uns vorkommt, als stamme sie aus grauer Vorzeit: Homosexualität ist eine widernatürliche Sünde und es gibt nur eine von der Kirche akzeptierte Form des Zusammenlebens.

Die Synode der Bischöfe hat jenen Hoffnungsschimmer verdüstert, den sie selbst herbeigeredet hatte. Und das ist ziemlich schlimm für die Betroffenen und so gar nicht die Menschlichkeit, die man erhofft hatte.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 08:55 auf https://www.sn.at/kolumne/hevi/nix-ist-s-mit-der-hoffnung-auf-mehr-menschlichkeit-3077431

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