Steuerzahler! Auf zum Gegenschlag!

Der Plan, allen potenziellen Steuerhinterziehern ans Leder zu gehen, indem man ihnen nachschnüffelt, braucht eine Ergänzung.

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HEVI Viktor Hermann

Die Finanzbehörden haben ja sooo recht. Die bösen Steuerzahler, besser gesagt: jene, die lieber nicht oder nur wenig Steuern zahlen, müssen ausgeforscht und erschnüffelt werden. Nirgendwo sollen sie sich sicher fühlen können, überall soll der strenge Arm des Finanzministers sie erwischen. Der Staat könnte ja so viel mehr Geld haben, kämen alle Bürgerinnen und Bürger ohne Ausnahme all ihren Steuerpflichten nach.

Wir Steuerzahler haben Verständnis dafür und für alle Maßnahmen, die Minister Schelling jetzt nutzen will.

Freilich hätten wir gern eine Ergänzung zu den harten und scharfen Maßnahmen gesehen. Da ja unser aller Steuergeld so schwer und unter so großen Anstrengungen eingesammelt wird, möchten wir doch sehr darum bitten, dass dann die öffentliche Hand mit dem von ihr einkassieren Geld auch pfleglich umgeht. Wir wollen, sozusagen, ein Spiegelbild der Steuerschnüffelei in Form einer Reihe von Möglichkeiten, dem Verbleib unseres Geldes nachzuspüren.

Jeder Bürger möge in Hinkunft Zugriff auf jedes Dokument haben, das mit der staatlichen Ausgabe von Geld zu tun hat. Jeder Euro, den die Regierung irgendwo investiert, muss dokumentiert und jederzeit nachverfolgbar sein. Sollte ein Ministerium zum Beispiel Militärflugzeuge kaufen, so ist jeder Kontakt mit den Waffenhändlern offenzulegen, jedes Vertragsdetail wird publiziert - und wenn ein Lieferant das nicht will, dann kaufen wir woanders ein.

Wenn Landeshauptleute vor allem zu ihrem eigenen Ruhm irgendwo einen Tunnel ins Gebirge bohren wollen, den eigentlich keiner braucht, dann wollen wir Steuerzahler ganz genau Bescheid wissen. Baut ein Bürgermeister eine Umfahrung für seine Gemeinde, obwohl eh kaum einer durch den Ort fährt, möchten wir eine Kostenaufstellung haben, die wir dann auf dem Schwarzen Brett der Gemeinde ausstellen - damit jeder Bürger, jede Bürgerin weiß, wohin die Millionen aus dem Finanzausgleich strömen.

Sollte je wieder ein Banker, ob in- oder ausländisch, einen unserer Politiker bestechen, dann wollen wir das in Zukunft sofort wissen und nicht erst etliche Jahre nach dem Ableben des Politikers. Schließlich hat diese Bestechung großen Einfluss auf das, wie viel von unserem Steuergeld künftig zur Sanierung maroder Banken eingesetzt werden muss. Wir wollen über jede teure Doppelgleisigkeit in der Verwaltung informiert werden, damit wir sie jenen Finanzbeamten unter die Nase reiben können, die uns jetzt mit dem Segen des Finanzministers so zusetzen.

Wär' doch gelacht, wenn das nicht den Sparwillen der Obrigkeit beflügelt.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 09:27 auf https://www.sn.at/kolumne/hevi/steuerzahler-auf-zum-gegenschlag-3056731

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