Verkehrte Welt: Vom Bikini über die Burka zum Burkini

Die Welt steht kopf, wenn die Obrigkeit nicht mehr das Minimum an Strandbekleidung festlegt, sondern das Maximum.

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HEVI | Politik und Gesellschat Viktor Hermann

Anfang des Jahrtausends sah es so aus, als hätte sich die Welt stark verändert. Die USA marschierten im Irak ein und Deutschland verweigerte sich der "Koalition der Willigen", Frankreich ärgerte sich über den hochnäsigen Ton aus Washington. Der Golfspieler Tiger Woods stellte die verblüffte Golfwelt auf den Kopf und ein junger Engländer namens Jamie Oliver wurde zum allseits bewunderten Koch.

Ein scharfer Geist fasste die allgemeine Verwunderung darüber in die Worte: "Die Welt steht nicht mehr lang, wenn die Deutschen sich weigern, in den Krieg zu ziehen, die Franzosen den Amerikanern Arroganz vorwerfen, der beste Golfer ein Schwarzer ist und der beste Koch ein Engländer."

Jetzt freilich erleben wir noch eine ganz andere verwirrende Neuerung.

Die Strände Südfrankreichs sind ja bekannt vor allem bei all jenen, die gern schwimmen und in der Sonne braten. Da die meisten Leute versuchen, möglichst viel von ihrer Hautoberfläche den Sonnenstrahlen auszusetzen, auf dass sie schön braun aus dem Urlaub zurückkehren mögen, war es bisher das Bemühen der örtlichen Obrigkeit, Regeln darüber aufzustellen, welches Minimum an Stoff die Körper der Touristen und der einheimischen Badenden bedecken sollte. Sie bestimmen, wo nackt,
halb nackt oder gar nicht gebadet werden darf. Und das ist gut so, um Konflikte zwischen den Strandbesuchern wegen allzu lockerer Bekleidung zu vermeiden.

Das gilt auch und vor allem im mondänen Cannes. Jetzt aber erließ der Bürgermeister von Cannes ein Edikt, das nicht jene maßregelt, die sich beim Baden in zu wenig Stoff hüllen, sondern jene, die zu viel Kleidung am Körper tragen. Der sogenannte Burkini, sittsamer Verhüller muslimischer Frauenkörper, wird damit von den Stränden von Cannes verbannt.

Das Wort Burkini ist ja genau genommen ein Widerspruch in sich selbst. Denn der Bikini bedeckt nur ganz wenig von einem Körper, die Burka möglichst viel. Vermengt man das minimal verhüllende mit dem maximal verhüllenden Kleidungsstück, kann tatsächlich nichts Akzeptables herauskommen. Also hat der Bürgermeister durchaus recht, wenn er solchen Unsinn von seinen Stränden fernhalten will.

Man kann es auch in Strandbädern an österreichischen Seen erleben: Eine offensichtlich muslimische Dame steigt mit einem Burkini rundumverhüllt ins Wasser, während sich ihr Ehemann, ihre Brüder und Söhne in knappsten Badehöschen in der Sonne räkeln und ungeniert die einheimischen Mädchen in ihren knappen Bikinis anschauen. Ganz abgesehen davon, dass die arme Frau dann mit klatschnassen Tüchern an Land sitzen muss - mit Sittsamkeit kann das nichts zu tun haben.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 07:25 auf https://www.sn.at/kolumne/hevi/verkehrte-welt-vom-bikini-ueber-die-burka-zum-burkini-1152922

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