2017 - vor uns liegt ein Jahr mit vielen Risiken

Nationalismus in Europa, ein neuer US-Präsident, der Handelskriege anzettelt - die Aussichten für das neue Jahr sind beunruhigend.

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Hinter den Zahlen Marianne Kager

Eigentlich hatte man gehofft, dass die EU 2017 wieder in ruhigere Bahnen kommt. Die Wirtschaft wird immerhin mäßig wachsen und selbst in Krisenländern wie in Griechenland scheint das Schlimmste überstanden zu sein.
Nur leider lauern da auch eine Reihe von politischen und wirtschaftlichen Gefahren.

Da ist einmal der erstarkende Nationalismus in Europa. Es wird vom Ausgang wichtiger Wahlen - in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden - abhängen, inwieweit die EU in Zukunft handlungsfähig bleibt. Weiters ist zu befürchten, dass mit der US-Präsidentschaft von Donald Trump geo- wie wirtschaftspolitisch eine Zeitenwende angebrochen ist.

Die neue US-Administration ist auf dem besten Weg, eine Art Handelskrieg zu entfachen. Die ersten Ziele: China und Mexiko. Aber was passiert, wenn - wie angekündigt - Zölle von 35 bis 45 Prozent erhoben werden? Mexiko ist beispielsweise die verlängerte Werkbank der amerikanischen Autoindustrie. Und in jedem Dollar Export von Mexiko in die USA stecken 40 US-Cent Vorprodukte aus den USA.

Zölle auf Importe aus Mexiko verteuern auch die Produktion sowie Produkte in den USA. Wie wird China auf die Zölle reagieren? Unterbindet es Sojaimporte aus den USA? Immerhin gehen 60 Prozent des von den USA exportierten Sojas nach China. Oder belegt es Autoimporte mit Zöllen? Allein General Motors setzt 26 Prozent seiner Autos in China ab, ganz zu schweigen von Tausenden Joint-Venture-Unternehmen, die US-Firmen in China haben.

Trumps Regierung will multilaterale Handelsverträge, von NAFTA über die Transpazifische Partnerschaft (TPP), aufkündigen und die WTO schwächen. Man kann und muss über den Grad der Liberalisierung und Deregulierung der Weltwirtschaft diskutieren, aber diese Diskussion kann nicht durch bilaterale Handelskriege ersetzt werden. Das nützt niemandem, auch nicht den USA. So hat das renommierte Peterson Institute errechnet, dass allein durch die angekündigten Zollerhöhungen gegen China und Mexiko bis 2019 4,8 Millionen Arbeitsplätze in den USA verloren gingen. Man muss fragen, wie lang es dauert, bis auch gegen Europa ein Handelskrieg eröffnet wird.

Wirtschaftskriege ändern die geopolitische Ausrichtung. Kündigen die USA TPP mit den Ländern Ostasiens, wenden sich diese dann mehr nach China? Rücken China und Russland enger zusammen? Die sich abzeichnenden neuen Koalitionen in der Weltpolitik sind für Europa alles andere als beruhigend. Offenbar will Trump im Verhältnis zu Russland keine Rücksicht auf Europa nehmen. Wie wirkt sich die Schwächung der NATO auf das Verhältnis Europas zu Russland aus? Zudem kündigt sich eine neue Allianz zwischen Russland, der Türkei und dem Iran an. Abzuwarten bleibt, wie die Atommacht Israel darauf reagiert, ob sie Amerika stärker in die Pflicht nimmt.

All diese Gefahren treffen eine derzeit höchst fragile EU, die nicht in der Lage ist, sich zu konsolidieren, und damit auch die Hoffnung auf ein erfolgreiches Jahr 2017 schmälert.
Oder wie die renommierte Wirtschaftszeitung "The Economist" jüngst über die Wahl in den USA schrieb: "Our election, your problem."

Aufgerufen am 25.09.2018 um 11:27 auf https://www.sn.at/kolumne/hinter-den-zahlen/2017-vor-uns-liegt-ein-jahr-mit-vielen-risiken-576052

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