Das "zehnte Bundesland" schafft sich seine Identität

Der Skiweltcup in Lienz ist nur ein sportlicher Höhepunkt in Osttirol. Stolz verweist man hier auf weitere hochkarätige Events im ganzen Jahr.

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Im Skizirkus Christian Mortsch
Werner Grissmann ist stolz auf die Weltcup-Rennen in Lienz. SN/GEPA pictures
Werner Grissmann ist stolz auf die Weltcup-Rennen in Lienz.

"Wahnsinn", sagt Bartl Gensbichler und blickt den Zielhang in Lienz hinauf, "unvorstellbar, dass wir hier einmal die schnellste Abfahrt der Welt gefahren sind." Das war 1977, vor 40 Jahren. "Mit 112 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit", sagt Salzburgs Skiverbandspräsident. Es war offensichtlich zu schnell. Denn während Gensbichler das FIS-Rennen heil überstand und als Führender im Ziel wartete, erwischte es seinen Teamkollegen Klaus Klammer schlimm. Der Bruder von Österreichs Skikaiser Franz Klammer sitzt seither im Rollstuhl.

Seit 1997 bietet Lienz aber im Skizirkus der Damen ein Spektakel der positiven Art. Alle zwei Jahre gastiert hier der Weltcuptross und ist damit das Aushängeschild im Osttiroler Winter. ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel kündigte bereits an, den 2019 auslaufenden Vertrag mit Lienz zu verlängern. Hingegen steht der Semmering wegen Infrastrukturproblemen vor dem Aus. Eine Alternative könnte Hochkar sein. Wieder im jährlichen Wechsel mit Lienz, wo der Skiweltcup der Auftakt für einen actionreichen Jänner ist. In den kommenden Wochen folgen das Eiskletter- und Skitourenfestival sowie der Dolomitenlauf, Österreichs größte Langlaufveranstaltung.

Im Sommer ist Lienz seit Jahren, traditionell als Startort der Glockner-Etappe, Fixpunkt der Österreich-Radrundfahrt. Weitere hochklassige Radrennen wie die Tour of the Alps machen ebenso Station. Sogar der Giro d'Italia hat Osttirol schon sieben Mal beehrt. Ein Highlight ist der von Werner Grissmann ins Leben gerufene Dolomitenmann, der nicht nur die besten Bergläufer, Paragleiter und Kanuten anlockt, sondern oft auch Prominenz wie Marcel Hirscher oder Andreas Goldberger, die sich mit den Weltbesten messen.

Geografisch näher zu Kärnten, auf dem Papier ein Tiroler Bezirk und dazu eine Prise italienisches Flair aus Südtirol - so fühlen sich die Osttiroler weder den einen noch den anderen vollends zugehörig und bezeichnen sich daher gern als zehntes Bundesland. Nicht nur sportlich hat man sich so seine Identität geschaffen.

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