Es hat halt noch keine Picknick-Temperaturen

Skirennen in Schweden scheinen eine ziemlich elitäre Angelegenheit zu sein - Auto und Alkohol sind ohnedies verboten.

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Im Skizirkus Michael Smejkal
Schüttere Tribüne beim Super G in Aare. SN/ap
Schüttere Tribüne beim Super G in Aare.

Jede Medaille hat zwei Seiten und so nehmen wir die positive Sichtweise ein: Nach Tagen des Ausnahmezustands in Adelboden, Kitzbühel oder Schladming sind Skirennen im fernen Åre richtig erholsam. Keine Hysterie, keine Menschenmengen, die einem wahlweise mit Schweizer Kuhglocken oder Österreich-Fahnen den Weg versperren, keine verstopften Zufahrtsstraßen. Skisport in Schweden zu verfolgen, das scheint eine ziemlich elitäre Angelegenheit zu sein.

So elitär, dass wir vor unserer Abreise sogar einen eigenen Guide bekommen haben, wie man hier das Ereignis richtig verfolgt. Also: grundsätzlich einmal ohne Auto. Der gute Skifan reist mit dem Zug an, denn von der Hauptstation in Åre zum Skistadion sind es nur 15 Minuten Gehzeit. Natürlich fahren auch Shuttlebusse. Wer mit dem Auto kommt, der hat (k)einen Parkplatz - also er hat einen, wenn er wie ein guter Schwede mit einem E-Auto anreist, für alle anderen gibt es keinen Parkplatz. Im "Nationalen Skistadion", wie die Arena hier heißt, gibt es aus naheliegenden Gründen keine Sitzplätze, das würde die Mortalitätsrate bei den herrschenden Temperaturen doch recht schnell erhöhen, sondern nur Stehplätze.

Selbstverständlich herrscht hier absolutes Alkohol- und Rauchverbot, aber die Veranstalter haben einen netten Vorschlag parat: "Bring your own picnic" - Nehmen Sie Ihren Picknickkorb mit und machen Sie es sich gemütlich bei den minus 20 Grad. Dafür gibt es auch im Abstand von 50 Metern Mülltrennstationen, die hier "Milliostation" heißen und vor denen man in Kitzbühel schöne Milieustudien machen könnte.

Dem edlen Schauspiel gaben sich im ersten WM-Bewerb ein paar Hundert Fans hin, die meisten aus Fanclubs aus dem Alpenraum.
Negativ denkende Zeitgenossen würden das
als beschämend für eine WM empfinden, aber vielleicht kommen ja die Zuschauermassen noch - wenn Aksel Lund Svindal oder die schwedischen Slalom-Damen fahren. 120.000 sollen es insgesamt werden, weniger als in Schladming und Kitzbühel. Aber ehrlich:
Für die Nerven ist es hier deutlich besser.

Aufgerufen am 19.09.2019 um 12:29 auf https://www.sn.at/kolumne/im-skizirkus/es-hat-halt-noch-keine-picknick-temperaturen-65266021

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