Das Stoßgebet des Maroni-Mannes

Neulich, im Dunkel des Advents, war heftiges Schluchzen zu hören.

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Lokalpatriot | Salzburg steht in Kritik Heinz Bayer

Da saß er. Allein auf einer Bank. Tief bewegt kam es flüsternd über seine Lippen:
". . . dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe. Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken: durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld!" Zugleich klopfte er sich, wie es einem Christenmenschen geziemt, mit Daumen und Zeigefinger an die Brust. Oha, dachte ich, ein Fundamentalist!

Was war geschehen? Neugierig wie immer wollte ich der Sache auf den Grund gehen. Ich wollte aber auch versuchen Trost zu spenden. Immerhin ist Advent, und da soll man Gutes tun. Jeden Tag.

Höflich angesprochen erklärte der Unbekannte, in den SN Schreckliches gelesen zu haben. Wie das? Nun, er, ein Maronibrater aus Passion, habe beim Studium seiner Lieblingszeitung erfahren müssen, dass Maroni, diese wunderbar heißen Kastanien, nicht mehr in Stanitzeln aus Zeitungspapier verkauft werden dürfen. Wegen der Druckerschwärze. Wegen der Hygiene. Und überhaupt: Weil Gefahr für die Menschheit drohe. Akut! Auslöser sei keine neue EU-Verordnung, sondern ein seit zehn Jahren in Österreich geltendes Lebensmittelrecht. Das decke sich mit EU-Vorgaben. Und so sinnierte er, sichtlich gebeugt, über ein umfassendes Eingeständnis nach und darüber, womöglich jahrelang schweres Unrecht getan zu haben: "Ich habe Gutes unterlassen - und keine unbedruckten Stanitzel besorgt! Ich habe Böses getan - und massenhaft Zeitungsstanitzel verwendet. Ich lud Schuld auf mich, weil ich ständig und laut ,Maroni! Heiße Maroni!' rief und so die Menschen zum Kauf animierte. Ja, und ich habe durch meine Werke fortdauernd gesündigt, weil ich jedem Kunden beim Weggehen sagte: ,Guten Appetit, lassen Sie sich die Maroni schmecken und kommen S' bald wieder!'" Da wurde auch ich traurig. Es ist ja unfassbar, welche üble Burschen da Tag und Nacht Maroni in Stanitzeln verkaufen und die Menschheit in höchste Gefahr bringen. Gott sei Dank wird das jetzt von den Behörden abgestellt. Danach können sich unsere Vordenker auch wieder kleineren Problemen zuwenden. Den unzähligen Autos mit schöngerechnetem Treibstoffverbrauch und manipulierten Abgaswerten. Und dem Schadstoffausstoß der Jets. Der Flugverkehr ist aus dem Pariser Klimaabkommen ja ausgenommen. Wir alle wissen: Die Staatenlenker holen auch in diesen Mini-Mini-Angelegenheiten für uns die Kastanien aus dem Feuer. Sicher! Den Angriff der Stanitzel-Monster wehrten sie ja bereits heldenhaft ab. Danke dafür!

heinz.bayer@salzburgs.com

Aufgerufen am 21.11.2018 um 09:20 auf https://www.sn.at/kolumne/lokalpatriot/das-stossgebet-des-maroni-mannes-844957

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