Herrlich! Was war das für ein Spaß damals, als jeder erkannte: Dieses alte Zeug braucht niemand, es ist überholt, es muss weg. Baggerfahrer und andere harte Burschen vom Bau - die Kerle mit der Abbruchbirne - bekommen bei der Erinnerung an jene Jahre ganz sicher Gänsehaut und nasse Augen.
Jahrhundertealte Häuser wurden abgerissen. Ganze Weiler verschwanden. Yippie!
Drei Hiebe mit der Baggerschaufel genügten. Ein paar Schwünge mit der Abbruchbirne reichten aus und kaputt war, was der neuen Zeit und ihrer Architektur im Wege stand. Dieses Neue - es war wunderbar. Man nannte es Lederhosenstil. Es handelte sich um überdimensionierte Bauernhäuser. Schlechte Architektur manifestierte sich in kitschigen Neubauten - samt Blumenkisterln und Glockenturm obendrauf.
Die neue Zeit hatte auch eine strenge Ordnung. Die Schrecknisse aus Beton, die heute noch vielfach die Landschaft verschandeln, unterlagen dieser einen strengen Norm: 17 Grad Dachneigung - nur dann gab es grünes Licht. Doch unter dem Dach dieser Norm, da fand dafür jede Bausünde ihren Platz. Die Zeiten der Lederhose, die gab es auch in Leogang. Aber dort wurde die Rechnung ohne die Wirtin gemacht.
Franziska Stöckl trotzte dem vermeintlichen Fortschritt. Deshalb blieb der Kirchenwirt stehen. Samt Samerstall. Dieses Ensemble entstand um 1326 und prägt den Ortskern einer Gemeinde, die an ihrem anderen Ende, rund um den Asitz, im Tsunami des Fremdenverkehrs zu versinken droht.
Ohne die kluge und schneidige Franziska Stöckl gäbe es den Kirchenwirt nicht mehr. Das gehört gesagt. Verbunden mit dem Wunsch, dass sich an ihr viele ein Beispiel nehmen mögen.

