Vom Toll-Wut-Alarm und von scharfen Kallbrunnerinnen

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Lokalpatriot | Salzburg steht in Kritik Heinz Bayer

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Kasnocken gschmackig. Und ein Gulasch richtig guat. Die Sachertorte ein Gedicht. Ein Semmerl resch. Die Leberkässemmel leider batzweich. Der Schnee g'fierig. Ein fescher Mann fesch und eine fesche Frau - pau - verdammt fesch! Das alles war, bevor die Toll-Wut ausbrach in Salzburg. Und nicht nur bei uns. Die Toll-Wut grassiert, eingeschleppt aus Deutschland, praktisch überall. Seither ist die Landschaft toll. Ist der Schnee toll. Sind die Festspiele toll. Sind Frauen toll. Männer auch. Ist der Kaiserschmarren toll. Ist Weihnachten sehr toll. Sind unsere Skifahrer immer toll. Aber unsere Fußballer nicht immer ganz so toll.

Toll zählt laut Duden bereits zu den 10.000 am häufigsten verwendeten Wörtern. Das entspricht einer McDonaldisierung der Sprache. Am Ende schmeckt alles gleich. Am Ende ist alles toll. Dabei könnte statt toll vielleicht nett, richtig lustig, wild oder scharf verwendet werden. Stichwort scharf: Neulich landete ein Foto in meinem Handy. Es zeigt eine Tafel vor der Kallbrunnalm samt Hinweis auf ein pikantes Angebot: Auf scharfe Kallbrunnerinnen. Mit Brot. Es handelt sich um Würstel mit dem gewissen Extra. Zum Vergleich: Welches Bild entsteht bei scharfen Kallbrunnerinnen, welches bei tollen Kallbrunnerinnen? Mir sind die scharfen eindeutig lieber. Bis zum nächsten Mal sag ich: Tschüss und ciao!

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