Von Hausarrest und von guter Nachbarschaft

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Lokalpatriot Heinz Bayer

Heiß und kalt. Nicht nur das Wetter beschert uns solche Abwechslungen. Auch der Verkehr tut's. Schauplatz Pinzgau: Das Pendel schlägt zwischen totalem Stau rund um Zell am See und totalem Hausarrest samt Stillstand aus. Für den Ironman, eine absolut beachtliche Sportveranstaltung in Zell am See, wird den Pinzgauern neuerdings ein Tag Hausarrest verpasst. Stundenweise zumindest. Freilich: Alles wird schon im Vorfeld gut kommuniziert. Das ist löblich und steht außer Frage.

Trotzdem: Viele ärgern sich. Kritik üben getraut sich kaum jemand. Weil Sport ist heilig. Vor allem in Verbindung mit dem Tourismus. Ups! 30.000 Zuschauer und viele Nächtigungen, das sind Totschlagargumente. Aber das Nachdenken, wie es ein gedeihlicheres Nebeneinander von Sportlern, Sportfans und dem Rest der Welt geben könnte, muss erlaubt sein. Vor allem mit Blick auf gute Nachbarschaft.

Während neuerdings die Triathleten Zell am See zu ihrem Mekka erkoren, gibt es so ein Mekka anderswo seit 37 Jahren. In Saalfelden. Nur 15 Kilometer entfernt. Da geht's auch um Marathon. Um einen Kulturmarathon. Er dauert vier Abende und drei Tage. Um das Jazzfestival. Auch Zeller kennen, mögen und besuchen es.

Während besagtes Jazzfestival 37 Jahre existiert, gibt es den Ironman in dieser Form seit drei oder vier Jahren. Mit der Folge, dass es plötzlich schwierig wird, zum Jazz zu gelangen. Oder wenn, dann verspätet. Oder nur mittels Frühstart, weil sonst einzelne Konzerte einfach nicht gesehen werden können.

Warum beide Veranstaltungen an einem Wochenende stattfinden müssen, ist nicht nachvollziehbar. Saalfelden hat ein Vorrecht. Das Jazzfestival findet traditionell am letzten Augustwochenende statt.

Könnten die Zeller Sportfreunde bei ihrer Terminplanung nicht ein bisserl Respekt zeigen - und mit dem Ironman eine Woche nach vor oder zurück rutschen? Das lässt sich machen. Wettkampfkalender hin oder her. Wo ein Wille, da ist auch ein Ausweichtermin.

Wie auch immer: Bittschön, könnt' ma da jetzt reden miteinander? Unter Nachbarn. Konstruktiv. Weil Tausenden Zellern wäre es dann möglich, guten Jazz zu hören, und die ohnehin sportlichen Saalfeldner würden den Triathleten zujubeln. Hört sich ja gut an, oder?

heinz.bayer@salzburg.com

Aufgerufen am 14.11.2018 um 04:39 auf https://www.sn.at/kolumne/lokalpatriot/von-hausarrest-und-von-guter-nachbarschaft-1116223

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