Warum Herr Trump (leider) nicht Einsiedler wird

Unsere Welt ist vernetzt. Und alles total global. Rein gar nichts bremst den Datenfluss zwischen Saalfelden - und Washington. Er flutscht nur so dahin.

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Lokalpatriot Heinz Bayer
 SN/sn

Aber es flutscht nicht überall: Montag, gegen 7.15 Uhr. Von Saalfelden geht's Richtung Steinpass. Leichtes Schneetreiben und Gatsch auf der B311.

Fleißige Schneepflugfahrer fahren Schneepflug. Winter halt. Dann, knapp nach dem Steinpass - Zungeschnalzen. Denn obwohl auch hier Winter herrscht, ist die Straße wie aufgeschleckt. Ja, wo ist denn der Schnee? Ah, da ist er ja: Ab dem Kleinen Walserberg liegt er bis hinein in die Stadt breit und hinderlich auf der Straße.

Und das, obwohl's rund um Wals-Siezenheim die größte Dichte an Aperschnalzern Mitteleuropas gibt. Sind noch nicht in Form, denk ich mir.

Dann macht es Pling. Ich schau nicht auf das Handy-Display. Das tue ich erst auf dem Parkplatz. Ehrenwort. Da steht diese Nachricht von Melanie. Die wohnte vor zwanzig Jahren bei uns. Für ein Jahr. Als Austauschschülerin. Sie lebt jetzt mit ihren supernetten Kindern und ihrem super sympathischen Mann in Washington. "Mel" hat mir einen Link geschickt. Ich höre sie lachen, denn auf einer US-Internetseite namens "Atlas Obscura" (!) ist die Rede von einer freien Stelle. In Saalfelden. In der Einsiedelei. "Hallo. Suchst du einen Teilzeit-Job? Magst du Höhlen und schaust christlich aus? Wärst du bereit, nach Österreich zu übersiedeln? Wenn ja, in Saalfelden wäre die Einsiedelei frei. Sie ist 350 Jahre alt, in eine Naturhöhle hineingebaut. Es gibt keine Heizung und kein Fließwasser. Aber viel spirituelle Geborgenheit."

Sofort fällt mir wer ein! Dieser verhaltensauffällige Immobilienhändler aus New York mit der schrillen Frisur. Der müsste ohnehin dringend zur inneren Ruhe kommen. Vielleicht bewirbt er sich und wird am End' doch nicht US-Präsident. In der Einsiedelei wäre er gut aufgehoben und könnte täglich allen Hirschen gute Nacht sagen.

Dann sehe ich: Computer und TV sind dort verboten. Das heißt: Trump könnte nicht twittern und keinerlei Unsinn verbreiten. Der Job wird ihn also nicht interessieren. Schade.

heinz.bayer@salzburg.com




Aufgerufen am 20.11.2018 um 12:45 auf https://www.sn.at/kolumne/lokalpatriot/warum-herr-trump-leider-nicht-einsiedler-wird-522853

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