Zum Frühstück bitte den Persilschein!

Wie aus Luxusappartements ein Hotel wird, weil Land und Bund versagen.

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Lokalpatriot | Salzburg steht in Kritik Heinz Bayer

Ein Hochhaus am Zeller See. 17 Meter ragt es an bester, sonnigster Stelle in den Pinzgauer Himmel. Von dort lässt sich aus den Fenstern der 24 Luxusappartements prächtig Richtung Zell am See, Schmitten und Kitzsteinhorn schauen. Nichts verstellt die Sicht. Denn kein anderes Haus rundum ist annähernd so hoch. Es sind keine Sozialwohnungen, die mit Steuergeld gefördert wurden. Es sind wohl betuchte Herrschaften, die den herrschaftlichen Ausblick genießen. Ja, ja, Salzburg, das kleine Paradies. Immer öfter wird es freilich für Zuagroaste dazu. Manchen Einheimischen erscheint das etwas hoch geratene Gebäude wie ein steil aufragender Stinkefinger. Als ein Symbol quasi und eine Ansage zugleich. Motto: "Eure Gesetze hier sind löchrig wie Käse." Architektonisch betrachtet ist die Anlage namens Residence Bellevue gar nicht so übel. Jedenfalls ist sie besser anzuschauen als der alte Kasten nebenan, der Hotel Bellevue heißt. Jetzt wurde, ach, ja, so ein Zufall aber auch, aus dem 17-Meter-Aufreger ein Hotel. Eines von der Sorte "Blitzblank und sauber". Denn rechtlich ist es völlig clean. Ein Frühstücksraum macht es möglich, dass die Residence Bellevue künftig als Hotel geführt werden darf. "Niemals nicht!", hieß es lange, als Skeptiker auf diese Möglichkeit hinwiesen. "Niemals nicht!", heißt es heute, wenn der Verdacht geäußert wird, irgendwann könnten aus den Residenzen mit der prächtigen Aussicht Zweitwohnsitze werden. Zell am See ist nur ein Beispiel. Mit juristischer Verve schaffen es Betreiber solcher Projekte immer wieder, zum Frühstück praktisch auch gleich einen Persilschein zu servieren. Die lokale Politik kann nur passen. Land und Bund schauen dem Treiben achselzuckend zu. Der schnäppchenweise Ausverkauf der Heimat, er passiert am Frühstücksbuffet.

heinz.bayer@salzburg.com

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