Am Deutschen Eck im Eck

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Mein Europa Hermann Fröschl

Es gab eine Zeit, da waren Fahrten über den Steinpass am Kleinen Deutschen Eck zwischen Unken und Reichenhall richtige Abenteuer. Für einen, der in Grenznähe im Pinzgau wohnte, in besonderer Art und Weise. Denn da war Bad Reichenhall nicht weit - und das war damals fast so etwas wie das Paradies. Weil vieles billiger war, weil vieles anders war. Damals, als meine Eltern noch ein kleines Lebensmittelgeschäft im Pinzgau hatten und wir fast jeden Mittwoch Richtung Reichenhall aufbrachen, um dies und das einzukaufen. Was regelmäßigen Nervenkitzel beim Steinpass auslöste. Da wartete die Grenzkontrolle, da warteten die Zöllner. Mit allen Wassern gewaschen. Aber wir hatten auch längst unsere Tricks und Finten. Nein, kein doppelter Boden im Fahrzeug. Aber: Taschen umgepackt, neue Waren in gebrauchtes Umfeld verstaut. Auch Verstecke da und dort.

Einmal, da war der EU-Beitritt Österreichs schon in Sicht, aber halt noch nicht realisiert, flog der Pinzgauer trotzdem auf. Mit Bettdecken, neuer Kleidung, Schuhen. Peinlich! Das Zoll- und Finanzstrafverfahren nahm unerbittlich seinen Lauf - und war für einen jungen Studenten finanziell durchaus schmerzvoll.

Stimmt schon: Am Steinpass sind auch heute keine Grenzer und Zöllner mehr. Aber die Zeichen der Zeit sind eindeutig: Trump überzieht die Weltwirtschaft wieder mit Zöllen. Und auch bei uns gehen Grenzbalken wieder hoch. Was zeigt, dass einmal erreichte persönliche Freiheit in einer Gesellschaft so gar nicht unumkehrbar ist. Dass man um diese auch in einer Demokratie stetig ringen, ja kämpfen muss.

Aufgerufen am 13.12.2018 um 07:12 auf https://www.sn.at/kolumne/mein-europa/am-deutschen-eck-im-eck-38813944

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