Geschichte auf 2800 Metern

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Mein Europa Heidi Huber

Das Jammern über die EU - und was diese Bürokraten in Belgien nicht alles imstande sind zu regeln -, wer kennt das nicht? Die Debatte über den tatsächlichen Sinn der EU wird gern von einer Gurkenkrümmung oder dem Glühbirnen-Verbot überlagert. Aber wer je in den Dolomiten den Falzarego-Pass hinaufgefahren ist und den Weg auf den 2778 Meter hohen Lagazuoi genommen hat, der sieht den wahren Grund, warum ein geeintes Europa eben nicht selbstverständlich ist. Denn man erschaudert, wenn man die Stellungen der Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg sieht. Wo sich Italiener und
Österreicher im Kampf um den Berg gegenübergestanden sind und im Winter erfroren. Wo sie sich gegenseitig weggesprengt haben. Wo so viele Menschen sinnlos gestorben sind und man heute - 100 Jahre später - noch Knochen findet. Der Kriegsstollen ist heute ein Klettersteig. In den alten Stellungen rasten Wanderer und Bergsteiger.

Der blanke Wahnsinn, der sich einst hier abgespielt hat, darf sich nicht wiederholen. Frieden kann nur Europa garantieren. Gurke hin oder her!

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