Mein Europa kann mehr

Mein Europa Katharina Maier

Ich war nur wenige Monate alt, da bekam ich schon meinen ersten eigenen Personalausweis. Große Augen, ein paar Härchen, die zu Berge stehen, und ein Micky-Maus-Pullover: So lache ich aus dem kleinen blauen Heftchen hervor. Der Ausweis hatte damals nur einen Zweck: damit mich meine Oma mit nach Freilassing zum Einkaufen nehmen konnte. Später kam Schengen - und das Hefterl wurde überflüssig. Für mich wurde die Brücke nach Freilassing eine ganz normale Brücke, wie jede andere. Grenzkontrollen wirkten absurd.

22 Jahre später stand ich wieder dort, dieses Mal beruflich. Um mich herum Hunderte Menschen, die verzweifelt auf die Einreise nach Deutschland warteten. Es war im September 2015. Die Grenze war dicht.

Heute, noch einmal drei Jahre später, habe ich die Szenen klar vor Augen, wenn ich beim Radfahren die Brücke überquere. Flüchtlinge sind keine mehr hier. Meine Oma auch nicht. Die Grenze ist aber spürbar, mit oder ohne Kontrollposten. Es fühlt sich nicht richtig an. Mein Europa kann mehr als das. Ich hoffe - und freue mich darauf.

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