Melodien für Millionen

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Mein Europa Maria Mackinger

ESC - sagt Ihnen das was? In einer Zeit, in der man sich kurzfassen muss, bleibt auch keine Zeit mehr, den Eurovision Song Contest voll auszusprechen. Früher, als Udo Jürgens noch Österreichs einziger Sieger ever war, hat man ja noch blumig "Grand Prix Eurovision de la Chanson" zur alljährlichen Singerei gesagt.

Seit 1956, also noch bevor die Europäische Union gegründet worden war, trifft sich Europa - anfangs nur ein Ausschnitt davon - jedes Jahr im Mai zum Wettsingen in jenem Land, das im Vorjahr gewonnen hat. Meistens wird dabei von der Liebe geträllert, zwischendurch wurde es aber immer wieder auch politisch. Etwa wenn unsere Simone nach dem Fall der Berliner Mauer - no, na - von "Keine Mauern mehr" sang oder der Italiener Toto Cutugno "Insieme, unite, unite, Europe" beschwor.

Über die Qualität der dargebotenen Lieder lässt sich alle Jahre wieder trefflich streiten. Wer die Veranstaltung aber einmal live erlebt hat, kann sich ihrer Magie nur schwer entziehen. Musiker und Fans aus allen möglichen Ländern Europas (und inzwischen auch ein paar von außerhalb) kommen zusammen und feiern gemeinsam, stolz werden Fahnen geschwenkt, wird Folkloristisches präsentiert. So manches heimische Dirndlkleid wurde da schon nach Baku oder Malmö geschleust. "Where are you from? Austria? I love Austria!"
Dass die große Liebe nach dem finalen Abend dann oft wieder ein wenig abkühlt, ist nur den gemeinen Punktevergaben in den Herkunftsländern geschuldet. "Wie bitte, null Punkte aus Deutschland? Gemeinheit!" Aber im nächsten Jahr haben sich eh wieder alle lieb.

Aufgerufen am 19.12.2018 um 12:31 auf https://www.sn.at/kolumne/mein-europa/melodien-fuer-millionen-38741161

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