Mein Weihnachten

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Mein Weihnachten Gerhard Bleimschein

Zur Zeit meiner Kindheit in den 1960-er Jahren gab es in ländlichen Gebieten noch die Landstreicher, Obdachlose, die von Ort zu Ort zogen und vor allem bei den Bauern um Essen, auch Geld und vor allem um einen Platz zum Übernachten bettelten.
Unser Hof war bekannt, dass diese im Volksmund "Fechter" genannte Menschen angenommen und versorgt wurden. Wir Kinder hatten immer auch ein bisschen Angst vor diesen ungepflegten, oft auch alkoholisierten und - man muss es so sagen - stinkenden Gesellen.
Ich kann mich noch gut an eine Weihnachtsabend erinnern, als wir Kinder schon in freudiger Erwartung dem Heiligen Abend entgegen fieberten. Unsere Idylle war jäh gestört, als es an der Haustür klingelte und "Fechter" Fritz vor der Tür stand.
Selbstverständlich wurde er auch an diesem Abend von meinen Eltern eingelassen, mit Essen und Trinken versorgt und bekam sein Schlaflager. Die Bescherung verzögerte sich dadurch und hatte für mich auch nicht mehr diese Leichtigkeit und Fröhlichkeit wie in anderen Jahren.
Erst nach Jahren wurde mir bewusst, dass sich gerade an diesem Heiligabend der tiefere Sinn von Weihnachten offenbart hat, und ich kann sagen, dass dieses Ereignis meine spätere Lebenseinstellung entscheidend geprägt hat.


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