Vom Weihnachtsblasen

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Mein Weihnachten Trachtenmusikkapelle Koppl

Wie immer waren wir zu viert unterwegs. Unser Quartett hatte dieses Jahr siebzig Haushalte in der nord-westlichen Ecke unserer Gemeinde zu betreuen. Es war wie immer, wir hatten unsere Weihnachtslieder, die besten Wünsche für die Festtage und eine Konzerteinladung zum Stefanikonzert in unserem Gepäck. Eine Spende für die Musikkapelle, ein Stamperl gegen die Kälte oder eine gute Jause nahmen wir gerne mit. Am Samstag, es war schon dunkel geworden, spielten wir unter einer schwachen Gassenlampe unsere weihnachtlichen Weisen. Wir wurden ins Haus gebeten und gaben im Wohnzimmer noch ein "Es wird scho glei dumper …" zum Besten. An einem runden Tisch im hinteren Teil des Zimmers stand ein großer Adventkranz an dem zu unserem Erstaunen, es war doch das vierte Adventwochenende, noch nie eine Kerze gebrannt hatte.

Der Kranz war ein imposantes Kunstwerk, gesteckt aus tausenden, klein zerbrochener, dürrer Zwetschkenzweige mit vier schweren, weißen Kerzen. Bald darauf saßen wir an dem Tisch mit dem Adventkranz und die Familie erzählte uns vom Schicksal das ihnen in diesem Jahr sehr viel abverlangt. Der Weg zurück zu ihrem Glück und der Unbeschwertheit vergangener Jahre kostet sehr viel Kraft und Zeit. Es gibt nur wenige gemeinsame Stunden in diesen Tagen, es will keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen und darum wird der schöne Kranz gespart. Fürs nächste Jahr, wenn hoffentlich alles wieder gut ist.

Und dann, während wir da sitzen, musizieren, und reden über dies und das, kam etwas das wohl keiner so erwartet hätte. Die Frau des Hauses steht auf, löscht das Licht und zündet wie selbstverständlich alle vier Kerzen am Adventkranz an. Nun saßen wir da, die Hausleute und wir, vier erfahrene Weihnachtsbläser die geglaubt hatten alles rund um diesen Brauch zu kennen. Und jetzt brachte keiner mehr, auch nur ein "Babb" über seine Lippen. - Und das war gut so! Die Familie dieses Hauses und die Musikanten, die jetzt irgendwie zu ihr gehörten, in diesem warm schimmernden Raum, das Gesicht dem Licht zugewandt, versammelt um das Symbol für die stillste Zeit im Jahr, ruhig, in sich gekehrt. Später, nach einem letzten Weihnachtslied sind wir gegangen, dankbar ein kleines Weihnachten erlebt zu haben.


Aufgerufen am 27.11.2020 um 02:00 auf https://www.sn.at/kolumne/mein-weihnachten/vom-weihnachtsblasen-62053972

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