Weihnachten auf einem fernen Stern

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Mein Weihnachten Helmut Laimer

21. Dezember 1947, der Frieden ist gerade einmal zwei Jahre alt, ich sitze zusammen mit einer Schar Kinder in einem Flugzeug des Caritas-Transports Nr.1 nach Portugal. Für mich ist es, als säße ich in einem Raumschiff auf der Reise zu einem anderen Stern. Schnitt.
Ich bin auf dem Planeten gelandet: Vila Flor, im Norden Portugals, bei Senhor Raul und Dona José. Fremde Gesichter, fremde Sprache, spärlich mit Petroleumlampen erleuchtete Häuser.
Heiliger Abend, ein Christbaum mit langen Nadeln, auf den Ästen hängt Spielzeug, (in Portugal kannte man den "Baumbrauch" nicht), Zinho, Carlos und Maria Carolina machen sich über die Geschenke her, in meiner Brust macht sich ein Krampf breit, drängt wie eine Flutwelle nach oben. Ich versuche mich vergeblich dagegen zu stemmen, doch bevor die Welle eine Überschwemmung anrichtet, kommen sie plötzlich zu mir: Zinho, Carlos und Maria Carolina, alle legen sie ein Geschenk vor meine Füße. Die Enge in meiner Brust löst sich, die Bilder von zu Hause verblassen, plötzlich gehöre ich dazu, zu dieser Heiligen Nacht auf einem fernen Stern. Später werde ich meine Muttersprache verlernen und nicht mehr nach Salzburg zurück wollen.


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