Weihnachten früher und heute

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Mein Weihnachten Anna Doringer

Meine Mutter hat erzählt, dass ihre Familie so arm war, dass sie nicht mal einen Christbaum hatten. In der Schule stand einer. Und auch da ist es passiert, dass sie nicht mal ein Stück Schokolade oder Keks von diesem Christbaum bekommen hat. Sie hat sich dann immer gefragt, ob sie denn wirklich so schlimm wäre, dass das Christkind nie an sie denkt.
Als ich Kind war, hatten wir einen Christbaum. Meiner Mutter war der Baum nie schön genug, den mein Vater nach Hause brachte. Aber sie hat ihn dafür besonders liebevoll geschmückt. Ich erinnere mich noch an Nachmittage des Heiligen Abends, wo ich durchs Schlüsselloch geschaut habe, um einen Blick auf das Christkind zu erhaschen.
Heute wissen wir vor lauter Überfluss nicht mehr, was wir wem schenken können. Gerade deshalb war die Vorweihnachtszeit und der Heilige Abend damals viel schöner und voller Erwartungen. Man freute sich über jede Kleinigkeit.
Meine Mutter ist vor einigen Jahren gestorben. Auf ihrem Grab steht jedes Jahr ein kleiner Christbaum.


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