Die Fußballwelt braucht neue Strukturen und einen Neuanfang

Viele Millionen und gierige Funktionäre verderben die Szene, die nächsten Vergehen nahen und es gibt keinen Ausweg aus dem Dilemma. Oder doch?

Mit Abstand SN

Das exklusive Interview mit dem Aufdeckungsjournalisten des "Spiegels", Michael Wulzinger, diese Woche in den SN hat ein grauenhaftes Sittenbild des internationalen Fußballs gezeigt. Die Sportart ist heute geprägt von Korruption, Bestechung, Steuerhinterziehung - ein gewaltiger Betrug am Fan. Und es ist kein Ende in Sicht. Denn wenn die nächsten Veröffentlichungen von Informant "John" aus den Football Leaks kommen, dann erwartet die Szene neue Enthüllungen, die den Fußballsport bis ins Mark erschüttern werden: Es geht um illegale Transfers von jungen Spielern, um Clubs, die trotz Schulden in Prunk agieren, und um eine positive Dopingprobe eines Weltstars, die vertuscht werden sollte. Wird sie aber nicht. Die Zeit der Aufklärer ist angebrochen.

Es ist wichtig, dass Whistleblower, wie es John aus Portugal ist, der sich auch selbst als Fußballfan einschätzt, die Machenschaften des Weltverbands FIFA und seines kleinen europäischen Bruders UEFA aufzeigen. Die großen Clubs wie Paris St. Germain oder Manchester City werden geschützt, den kleinen setzt man gleich die Pistole an die Brust. Von ihnen kann ja keine Gefahr ausgehen.

Doch da täuschen sich die internationalen Funktionäre in ihrer Allmacht. Die kleineren Clubs sind zusammen eine Größe. Und irgendwann wird ihnen die Ungerechtigkeit zu viel werden, wenn mafiaähnliche Strukturen bei der FIFA wieder den Weg frei machen für diejenigen, die sich mit ihrer Macht und ihrem Geld über alle Richtlinien hinwegsetzen können. Die Kleinen müssen den Aufstand proben. Denn die Masse der Clubs agiert vorbildlich.

Es braucht einen Neuanfang. Das System Fußball gehört durchgelüftet. Das beginnt mit dem Weltfußballverband, der sich seit Jahren mit seinem Vereinssitz (ja, die FIFA ist wie ein Verein strukturiert und zahlt deshalb nur vier Prozent Gewinnsteuer und 4,25 Prozent Bundessteuer, Anm.) im Kanton Zürich und hinter seiner Gemeinnützigkeit versteckt. Wieso werden trotz dieser Gemeinnützigkeit dennoch rund 50 Millionen Franken (ca. 43,66 Mill. Euro) jährlich an Führungsleute ausbezahlt? Warum werden Weltmeisterschaften in Staaten wie 2022 in Katar vergeben, die die Menschenrechte mit Füßen treten? Wie verträgt sich das mit dem Grundsatz der Gemeinnützigkeit? Wie ein steter Tropfen, der den Stein höhlt, müssen diese Fakten aufgezeigt werden.

Die Phalanx gegen Funktionäre, die gern in die eigene Tasche wirtschaften, wird durch die Football Leaks größer werden. Noch gibt sich FIFA-Präsident Gianni Infantino gelassen. Ganz wird der Fußball-Sumpf nie trockengelegt werden können, aber es ist ein Anfang gemacht, der mehr als zum Nachdenken anregt. Noch ist es nur die Basis für einen Neubeginn.

Aufgerufen am 20.11.2018 um 05:32 auf https://www.sn.at/kolumne/mit-abstand/die-fussballwelt-braucht-neue-strukturen-und-einen-neuanfang-60610567

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