Olympiakandidaten geben auf und das IOC hat keinen Plan B

Es war diese Woche international nur eine kleine Randnotiz. Aber die Aussage heißt: Olympiaboss Bach lebt weiter weltfremd.

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Mit Abstand Richard Oberndorfer

Es waren ein paar Sätze, die über die internationalen Presseagenturen rauschten, aber die hatten es - weitgehend kaum wahrgenommen - in sich: Für das Internationale Olympische Komitee (IOC) könnten die Winterspiele 2026, die im Juni 2019 vergeben werden, zum Desaster werden. Denn rund um die zwei verbliebenen Bewerber Stockholm und Mailand/Cortina d'Ampezzo ziehen dunkle Wolken auf: Während die Italiener um die finanzielle Unterstützung der Regionen ringen, fehlt in Schweden jegliche Unterstützung aus der Politik. Gibt es noch Spiele 2026?

Und dann kam er. IOC-Präsident Thomas Bach. Der mächtigste Sportfunktionär der Welt. Er meinte diese Woche, dass es im Falle der negativen Fälle keinen Plan B des IOC geben würde. Ein solcher Plan wäre ein Beitrag zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung, meinte der Deutsche, der am heutigen Samstag seinen 65. Geburtstag feiert. Was für eine schmachvolle Ausrede. Es muss einen Plan B geben, denn auch dem IOC dürfte nicht entgangen sein, dass ihm die Bewerber für die früher glanzvollen und lukrativen Olympischen Spiele ausgehen. Es scheinen sich seit 2010 nur noch Bewerber mit autokratischen Systemen in die Olympiaschlacht werfen zu wollen. Mit Sotschi (2014) und Peking (2022) sind Bewerber zum Zug gekommen, denen keine Menschenrechte heilig sind und der Gigantismus das höchste Credo zu sein scheint. Viele dieser Nationen haben längst die Chancen durch Olympia erkannt und sie genutzt. Sport erhöht die Sympathiewerte, auch wenn im Hintergrund gemordet und gefoltert wird. Aber wie meinte der IOC-Präsident Bach zu den SN im Interview im Februar 2016 in Lillehammer: "Wir wollen auch in andere Weltgegenden gehen, um dort den Wintersport populär zu machen." Doch nicht um jeden Preis!

Klar ist: Geordnete Demokratien haben mittlerweile ein Misstrauen gegen internationale Organisationen - wie es das IOC ist. Das bestätigte Bach dieser Tage. Und da hat er recht. Niemand traut mehr langfristigen wirtschaftlichen Prognosen. Das betrifft natürlich in hohem Maße die Olympischen Spiele, denn die werden mit einer Vorlaufzeit von sieben Jahren vergeben. Ein nicht kalkulierbares Risiko für Länder, die mit anderen finanziellen Belastungen der Jetztzeit kämpfen müssen. Wo bleibt aber die Reaktion der Olympiagranden? Wann merkt das IOC, dass sein System verkrustet und ausgelaufen ist? Ist das die Lösung der Zukunft, wenn einfach im Paket Spiele vergeben werden? So wie für die Sommerspiele 2024 und 2028, wo es mit Paris und Los Angeles nur mehr einen Bewerber gegeben hat?

Viele Fragen und nur eine Antwort: Es ist Zeit, vonseiten des IOC wieder mehr Vertrauen in eine geordnete Abwicklung bei der Vergabe von Olympischen Spielen zu bringen. Weg von Heimlichkeiten und hin zur Transparenz. Die Zeit des Dahinfrettens und des Durchmogelns muss vorbei sein. Ein öffentliches Eingeständnis der prekären Situation wäre ein Anfang.

Aufgerufen am 09.12.2019 um 05:21 auf https://www.sn.at/kolumne/mit-abstand/olympiakandidaten-geben-auf-und-das-ioc-hat-keinen-plan-b-63199762

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