Die schlechte Nachricht: Noch elf Tage bis zur Wahl

Die Wahrheit darüber, warum der eine Kandidat einen Bart und der andere erhöhte Temperatur hat.

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Purgertorium | Innenpolitik Alexander Purger

Geduld, Geduld, liebe Kinder. Nur noch zwölf Mal schlafen und dann ist Bundespräsidentenwahl. Überall heißt es, dass der Advent, also die Ankunft auf der Ziellinie, heuer ein sehr knapper sein wird. In Wahrheit liegt einer der Kandidaten aber weit voran.

Woraus man das schließen kann? Ganz einfach daraus, dass die Crème de la Crème der ÖVP-Altvordern eine Wahlempfehlung nach der anderen für Alexander Van der Bellen abgibt. Wenn man nun weiß, welch gigantischen Einfluss ehemalige ÖVP-Granden auf die Österreicher haben, kann man sich ausmalen, wie deutlich der Vorsprung bereits ist. Nämlich der von Norbert Hofer.

Aber noch wird um jede Stimme gerungen, vor allem um die in der politischen Mitte. Um sie zu erobern, waren die Kandidaten schon bisher zu allerhand bereit. Alexander Van der Bellen ist zum größten Heimatschützer aller Zeiten geworden und dürfte sogar eine rot-weiß-rote Zahnbürste benutzen. Norbert Hofer behandelt mit Vorliebe christliche Wurzeln und bestellt derzeit sogar seinen Mokka mit dem Zusatz "So wahr mir Gott helfe".

Alexander Van der Bellen hat eine militärische Flugschau besucht, bei der ein Grüner normalerweise Ausschläge bekommt. Und Norbert Hofer hat im Laufe des Wahlkampfs stark erhöhte Temperatur bekommen, weil er so ein glühender Anhänger von Europa ist. Tja, was tut man nicht alles für den Sieg.

Gegen Ende zu wird man noch ganz andere Dinge erleben. Im Kampf um die bürgerlichen Wähler werden sich beide Kandidaten Cut und Zylinder anmessen lassen und ein Abo bei den Wiener Philharmonikern bestellen (leider beträgt die Wartezeit dort 14 Jahre). Beide werden sich als begeisterte Ministranten outen, ihre Opus-Dei-Mitgliedschaft offenlegen und verlangen, dass der Bundespräsident wieder eine Dienstvilla in Döbling bekommt.

Um aber auch die SPÖ-Wählerschaft vor allem in Wien anzusprechen, wird Alexander Van der Bellen den legendären Mundl-Spruch "Mei Bier is net deppert" plakatieren lassen. Norbert Hofer wird bekanntgeben, dass seine Lieblingsspeise "a Eitrige mit an Buckl und a Sechzehnerblech" ist. Und beide werden gestehen, in ihrer Jugend Einpeitscher im Westsektor von Rapid gewesen zu sein.

Doch auch die gegnerische Wählerschaft will im Wahlkampffinale umworben sein. Also wird Norbert Hofer Fair-Trade-Latzhosen made in Kuba anziehen und Alexander Van der Bellen wird durchsickern lassen, dass er nur deswegen einen Vollbart trägt, um seine zahllosen Schmisse zu verbergen.

Kurz gesagt: Das mit dem Nur-noch-zwölf-Mal-Schlafen ist ja gut und schön. Aber die elf Tage dazwischen werden schlimm.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 06:56 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/die-schlechte-nachricht-noch-elf-tage-bis-zur-wahl-865858

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