Illusionsmalerei, wohin man schaut

Interessant: Die klassische illusionistische Malerei ist nach dem künftigen US-Präsidenten benannt.

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Purgertorium | Innenpolitik Alexander Purger

Aus aktuellem Anlass widmen sich diese Zeilen der Trompe-l'oeil-Malerei. "Trompe-l'oeil" bedeutet auf Deutsch "Täuschung des Auges". Es handelt sich um illusionistische Malerei, die etwas vortäuscht, was gar nicht da ist. Zum Beispiel die dritte Dimension.

Eine späte Nachfahrin der vor allem in der Renaissance beliebten Trompe-l'oeil-Malerei war die in den 70er Jahren stark nachgefragte Fototapete. Jeder Heimwerker konnte fortan die Wände auch noch der kleinsten Hütte in einen Traumstrand (incl. Sonnenuntergang) oder einen deutschen Tann (incl. Schloss Neuschwanstein) verwandeln.

Die Anfänge waren allerdings künstlerischer. Wer einstmals eine Kirche oder einen Festsaal errichtete, ohne das nötige Geld für eine schöne Kuppel oder eine gewölbte Saaldecke zu haben, heuerte einen Trompe-l'oeil-Maler an, der noch den flachsten Plafond zum eindrucksvollen Kuppelsaal umpinseln konnte.

Spätestens an dieser Stelle springt der Zusammenhang mit der Politik ins getäuschte Auge. Auch dort ist es ja besonders in Wahlkämpfen so, dass mancherlei Dinge vorgespiegelt werden, die gar nicht da sind. Jeder Wahlkämpfer eröffnet uns einen hoch gekuppelten Wunderraum an Versprechungen, während er sich in Wahrheit nach einer Decke strecken muss, die niedrig und flach ist.

Womit wir schon bei Donald Trompe, äh, Trump wären. Das letzte, was man im Wahlkampf von ihm hörte, war das Versprechen, das umstrittene Gesundheitsprogramm "Obamacare" abzuschaffen. Das erste, was man nach dem Wahlsieg von ihm hörte, war die Ankündigung, "Obamacare" vielleicht doch nicht abzuschaffen. Bei seinem Wahlversprechen dürfte es sich offensichtlich um Trump-l'oeil-Malerei gehandelt haben.

Damit ist Trump drauf und dran, sich würdig in die Reihe seiner Vorgänger einzugliedern. George Bush versprach "Keine neuen Steuern" und erhöhte die Steuern. Barack Obama versprach die Schließung von Guantanamo und betrieb es weiter.

Auch in Österreich besteht seit der Barockzeit eine überaus fruchtbare Trompe-l'oeil-Tradition. Auf Stiftsmauern wurden Tore gemalt, wo keine waren. Und in den Schlössern wimmelt es von Gemälden von Pferden und Monarchen, deren Augen dem Betrachter überall hin folgen, egal, wo er im Saal steht.

Diese Effekte sind auch heute noch zu beobachten. Egal, wo man in Österreich gerade steht, überall sehen einen die Augen von Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer an. Und die doch schon recht abgeblätterte Große Koalition wurde mit dem fantastischen Gemälde eines "New Deal" übermalt. Irgendwie Trompe-l'oeil, wohin man schaut.

Aufgerufen am 13.11.2018 um 02:03 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/illusionsmalerei-wohin-man-schaut-887299

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