Könnte man Wahlkämpfe nicht verbieten?

Die Wochen und Monate vor der Wahl richten enormen Schaden an. Wo ist der Nutzen?

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Purgertorium Alexander Purger

Herbsturlaube in fernen Ländern müssen etwas Schönes sein, besonders heuer. Würde man dadurch doch einige Wochen dieses endlosen Wahlkampfs versäumen und könnte sich so vielleicht einen Rest von Achtung vor der Politik bewahren.

Für Nichturlauber und somit Vollkonsu menten der letzten Wahlkampfwochen ist das schwierig. Denn wer das ganze Treiben über sich ergehen lässt, dem drängt sich unweigerlich die Frage auf: Halten die Wahlkämpfer die Bürger für blöd? Oder sind sie es selbst?

Der kolumbianische Philosoph Nicolás Gó mez Dávila gab Antwort eins den Vorzug, indem er schrieb: "Die Wahlstrategie des Demokraten basiert auf einer verächtlichen Vorstellung vom Menschen, die völlig im Widerspruch steht zu der schmeichelhaften Vorstellung, die er in seinen Reden ausposaunt."

Dávila sieht in Wahlkämpfen also eine zynische Verachtung der Wähler am Werk, eine unverhohlene Geringschätzung ihrer Geistesgaben. Man kann ihm nur schwer widersprechen. Denn mit welch plumpen Tricks um Stimmen gebuhlt wird, stellt der Meinung der Wahlkampfstrategen über die Intelligenz der Wählerschaft kein gutes Zeugnis aus.

Da werden plötzlich Dinge versprochen, zu deren Durchsetzung die Versprechenden in der Vergangenheit Unmengen an Zeit gehabt hätten. Und jetzt soll man ihnen glauben? Da wird mit Milliarden gewinkt, die schlicht und ergreifend nicht vorhanden sind. Da wird an die niedersten Neidinstinkte der Menschen appelliert. Wozu das alles?

Noch dringlicher stellt sich diese Frage, wenn man die Plakate und Wahlkampfvideos betrachtet. Was hat es mit der Politik der kommenden fünf Jahre zu tun, ob ein Spitzenkandidat gut Hunde streicheln, Pizza zustellen oder gewinnend lächeln kann? Oder ob er eine neue Parteifarbe erfunden hat?

Und erst die Fernsehkonfrontationen: Was hat es für eine politische Relevanz, ob jemand gut geschminkt ist, schlagfertig antwortet und Mitdiskutanten gekonnt unterbricht?

Gar keine. Relevant für die Zukunft des Landes ist einzig und allein, auf welche Programme sich die Parteien stützen und ob sie über geeignetes Personal verfügen, um diese Vorhaben dann auch in die Tat umzusetzen. Alles andere ist Flitter und Tand.

In Wahrheit sind Wahlkämpfe schädlich. Sie verleiten die Parteien zu falschen Festlegungen und unbedachten Beschlüssen. Sie kosten Unmengen an Steuergeld. Sie sind Zeitverschwendung, denn sie führen zu einem Stillstand der Regierungsarbeit. Und sie schädigen das Ansehen von Politik und Demokratie.

Es sind schon Dinge aus geringfügigeren Gründen verboten worden.

Aufgerufen am 21.10.2017 um 12:07 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/koennte-man-wahlkaempfe-nicht-verbieten-18772813

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