Panda, Knödel, Lohengrin

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Purgertorium | Innenpolitik Alexander Purger

Wie schafft man es, sein Foto möglichst oft in der Zeitung oder in den reichlich unsozialen Netzwerken zu sehen? Diese für den größten Teil der Menschheit offensichtlich zentrale Frage ist in Österreich leicht zu beantworten. Im Winter sollte man nach Tunlichkeit Marcel Hirscher sein, während es im Sommer zwei Möglichkeiten gibt: Panda oder Präsidentschaftskandidat.

Absolut ideal zur Hebung der Abbildungswahrscheinlichkeit ist es demnach, wenn man Hofburg-Bewerber wäre, einen Panda-Pyjama trüge und darüber hinaus auch noch Slalomfahren könnte wie der Rasende aus Annaberg. Aber wer kann das schon?

Abseits der Trias Bundespräsident-Panda-Hirscher wird es schwierig. Von manchen Menschen sieht man so selten ein Bild in der Zeitung, dass es schon an Ikonoklasmus grenzt. Sie wissen: Ikonoklasmus. Bildersturm. Das religiöse Verbot der Bilderverbreitung, um den transzendenten Charakter des Nichtabgebildeten zu betonen.

Deswegen ist beispielsweise Werner Faymann so ein seltener Gast in den Medien geworden. Das unterstreicht seine überirdische Persönlichkeit. Schließlich steht der Mann kurz vor der Auffahrt in den EU-Himmel. Er ist als neuer Ratspräsident im Gespräch, dürfte also einer der führenden Köpfe des Kontinents werden. Und so jemanden haben wir als Regierungschef ziehen lassen!

Wesentlich häufiger in der Zeitung stehen, wie gesagt, die Präsidentschaftskandidaten. Sie werden das auch weiterhin tun, und zwar beide. Immerhin hat Norbert Hofer am Wahlabend die bemerkenswerte Feststellung getroffen, dass dieser Wahlkampf - wörtlich - einen schlafenden Bären in ihm geweckt habe. Experten gehen davon aus, dass es sich um einen Panda handelt.

Von Alexander Van der Bellen ist vorläufig unbekannt, was ihn ihm geweckt wurde, jedenfalls ist er ab sofort Dauergast in den Zeitungen, denn es steht seine Amtseinführung bevor. Und Amtseinführungen sind historische, medienwirksame Ereignisse.

Zum Beispiel kennt man heute, 180 Jahre später, immer noch den Satz, den der österreichische Kaiser Ferdinand I. der Gütige bei seiner Thronbesteigung im Jahre 1835 gesprochen haben soll. Und zwar verkündet er: "Ich bin der Kaiser und ich will Knödel!"

Seither sind, wie erwähnt, mehr als 180 Jahre ins Land gezogen, aber immer noch wird über die geheime Botschaft hinter dieser knappen, konzisen, ihren tieferen Sinn nicht sogleich preisgebenden Antrittsrede gegrübelt. Wird Alexander Van der Bellen bei seinem Amtsantritt im Jänner ähnliche Worte für die Ewigkeit sprechen?

Noch älter und berühmter ist ein Satz, der früher bei Papstkrönungen vorgeschrieben war. Ehe der neue Pontifex Maximus den Stuhl Petri bestieg, wurde vor ihm ein Büschel Werg angezündet. Werg hat die Eigenschaft, dass es vollkommen rückstandslos verbrennt. Es bleibt nicht das Geringste davon übrig. Weshalb der Zeremonienmeister den neuen Papst belehrte: "So vergeht der Ruhm der Welt." - Derart elegisch muss es bei der Amtseinführung Van der Bellens nicht zugehen. Es reicht, wenn er eine Zigarette verbrennt.

Freuen wir uns auf die Geschenke, die anlässlich der Amtseinführung aus aller Welt eintreffen werden. Auch dafür gibt es historische Vorbilder. Als Edward VIII. im Jahr 1936 auf den britischen Thron kam, wollte ihm die deutsche Reichsregierung ein Gastspiel der Bayreuther Festspiele in London schenken, und zwar "Lohengrin".

Edward, kein ganz so großer Wagne rianer wie der deutsche Reichskanzler, quittierte das angebotene Geschenk mit den Worten: Er persönlich habe nichts dagegen, solange er der ver. . . Oper nicht selbst beiwohnen müsse. - Das Gastspiel kam nicht zustande.

Aufgerufen am 22.09.2018 um 07:38 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/panda-knoedel-lohengrin-618784

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