Salzburg darf

Salzburg darf

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Purgertorium Alexander Purger

Dazu, also zum Thema Wien, erreichte uns kürzlich ein Leserbrief aus Kapfenberg. Der Leser schreibt darin von seiner "wenig geliebten Hauptstadt" und führt als Grund für seine ganz und gar nicht kapitale Zuneigung zur Kapitale folgenden, doch eher überraschenden Umstand an: die Benennung der heimischen Autobahnen.

Warum, so fragt der steirische Leser, werde die Südautobahn Südautobahn genannt, obwohl sie doch von Graz nach Norden führt? Und wie kämen zum Beispiel die Salzburger dazu, dass sie die Westautobahn benützen müssen, wenn sie nach Linz, also nach Osten fahren? Der Kapfenberger Leser sieht darin einen gröblichen Unsinn, der allein darauf zurückzuführen sei, dass der Gesetzgeber in Wien sitze.

Da ist was dran. Wäre der Gesetzgeber so wie der Haussperling überall daheim, also zum Beispiel in Kapfenberg, dann hieße die Südautobahn vermutlich Nordautobahn. Und die Ostautobahn würde nicht nach Ungarn, sondern auf den Semmering führen.

Der Standort bestimmt den Standpunkt. In Wahrheit ist es ja auch nicht einzusehen, warum ein Aufzug, wenn man mit ihm hinunter fährt, trotzdem Aufzug und nicht Abzug heißt. Umgekehrt ist es schwer verständlich, dass ein Dunstabzug, der den Dunst doch meistens nach oben zieht, dennoch Abzug und nicht Aufzug heißt.

Gerechtigkeit, was die Autobahnen betrifft, könnte nur dadurch ein- bzw. aufziehen, dass der geographische Mittelpunkt Österreichs - das ist Bad Aussee im Salzkammergut - zur volksbewegten Hauptstadt wird, von der strahlenförmig die Autobahnen in alle Himmelsrichtungen abziehen. Dann würde jetzt auch sicher ein junger Ausseer die politische Beliebtheitswertung anführen und nicht ein Wiener.

Aber noch einmal zurück zum Spatz. Brehm lobt zwar im allgemeinen dessen Fähigkeiten, tadelt aber entschieden seine Lautäußerungen: Der Haussperling halte sich zwar für eine Nachtigall und habe dauernd seinen Schnabel offen, seine Rufe seien aber "ohrenbeleidigend. Brehms abschließendes Urteil: "Er ist ein erbärmlicher Sänger und ein unerträglicher Schwätzer."

"Man muss die Säcke so lange schlagen, bis die verantwortlichen Tragtiere darunter etwas spüren" (Lehrer aus Gmunden)

Schon der silberne Panther prangt seit 750 Jahren auf einem grünen Wappen (impotent, leider, seitdem ihm 1926 auf Initiative der christlichsozialen Landtagsabgeordneten Friederike Mikola das Recht auf Flammen aus anderen Körperöffnungen als dem Rachen aberkannt wurde

Aufgerufen am 22.05.2022 um 09:10 auf https://www.sn.at/kolumne/purgertorium/salzburg-darf-114871873

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